• Miri

Etappe 10: Kilpisjärvi bis Alta (Finnland & Finnmark)

Nachdem wir uns am mega leckeren Frühstückbuffet im Hostel in Kilpisjärvi nochmal gestärkt haben, verließen wir die Zivilisation wieder und tauchten wieder ein in einsame Fjellgebiete.


Als wir los gingen, hat sich die Wolkendecke aufgelöst und die Sonne strahlte vom Himmel herab. So wenn doch nur jeder Tag starten könnte! Es war windstill und die Sonne konnte die Luft in Ruhe aufwärmen. Mütze und Handschuhe konnten so endlich mal wieder im Rucksack bleiben.


Wir liefen eine Zeit lang am Cáhkáljohka entlang, der sogar einen kleinen Wasserfall machte.



Dann ging es stetig bergauf. Es begleitete uns die Aussicht auf den für die Samen heiligen Berg Saana und einige schneebedeckte Gipfel dahinter. Dann erreichten wir den See Čáhkáljávri, der mit seiner tiefblauen spiegelnden Oberfläche wunderschön aussah.





Die Wege waren meist gut zu gehen, wurden aber immer mal wieder durch Geröllpassagen unterbrochen. Auch einige sumpfige und schlammige Abschnitte mischten sich dazwischen.






Mit dem Čoahpejávri erreichten wir den nächsten traumhaften See. Noch einen See weiter - am Saarijärvi standen wir dann vor unserer ersten finnischen Wanderhütte und machten dort Mittagspause.





Die finnischen Hütten waren weniger gemütlich als die norwegischen und eher spärlich eingerichtet - statt Betten gab es zum Beispiel nur eine lange Holzpritsche. Aber es gab einen Holzofen und einen Gaskocher und damit alles was man brauchte. Und sie waren umsonst. Etwas, das unserem Reisebudget gerade nicht schadete ;)


Da wir vom Frühstücksbuffet immer noch ziemlich voll waren, gab’s nur zwei Kekse und Kaffee. Den aber heute sogar mit Hafermilch. Im Supermarkt in Kilpisjärvi haben wir Mini-Tetrapacks mit Hafermilch entdeckt - super zum mitnehmen.




Danach ging es weiter bergauf über viel Geröll. Plötzlich krachte es vor mir und als ich aufsah, sah ich Flo mitten im Geröll liegen. Er war auf einem der Steinbrocken weggerutscht. Das ist mit den schweren Rucksäcken echt gefährlich. Sobald man einmal wegrutscht und das Gleichgewicht verliert, zieht einen das Gewicht sofort zu Boden und man hat fast keine Chance, sich irgendwie abzufangen. Er hatte sich den ganzen Unterarm aufgeschrammt und blutete. Und seine Rippen hatte er sich stark geprellt. Wir desinfizierten die offenen Stellen schnell und vergewisserten uns dann, dass sonst wirklich alles in Ordnung war. Nachdem wir uns von dem kurzen Schreck erholt hatten, gingen wir vorsichtig weiter.




Die Landschaft wurde karger und steiniger. Ein paar Schneereste lagen neben dem Weg. Vor ein paar Tagen muss hier noch viel mehr Schnee gelegen haben, wie uns Katharina und Manuel erzählten. Da hatten wir also Glück!


Wir passierten eine übergroße Wegmarkierung: ein riesiger Steinhaufen mit mehreren igelförmig hineingesteckten Wegmarkierungspfosten. Also die konnte man wahrscheinlich nicht mal bei Nebel übersehen.





Dann ging es wieder ein Stück bergab und wir machten auf einem Felsen nochmal Snickers-Pause. Es war so schön, wenn man mal Pausen machen kann ohne gleich zu erfrieren. Auch mit dem Trinken klappte es gleich viel besser, wenn es nicht so kalt ist. In Kilpisjärvi haben wir Teebeutel für kaltes Wasser gefunden. Das machte auch gleich einen riesen Unterschied, wenn das Wasser ein bisschen Geschmack hat :)



Kurz darauf standen wir dann vor einer großen Talrinne - dem Guinjarvággi. Wir stiegen hinab, überquerten einen Fluss und folgten ihm dann bis zur nächsten Hütte.







Bei dem schönen Wetter wollten wir heute aber mal wieder im Zelt schlafen und gleich mal die neuen Isomatten testen. Als wir gerade überlegten, was wir heute zum Abendessen machen (die Auswahl bestand allerdings nur aus Nudeln oder Couscous), klopfte jemand ans Zelt. Ich schaute hinaus und sah in das nette Gesicht eines Finnen, der uns fragte, ob wir Pfannkuchen wollen. Er und seine Frau hätten nicht alle geschafft. Natürlich wollen wir ;) Sogar eine kleine Packung Zucker hatte er uns dazu gelegt.




Als wir am nächsten Morgen einen Blick nach draußen warfen, stellten wir fest, dass wir mitten in weißem Nichts waren. Es hatte so dichten Nebel, dass wir die Hütte kaum noch erkennen konnten. Und es regnete. Wir packten schnell alles zusammen und marschierten dann bei 4 Grad und eiskaltem Wind durch den Nebel.




Die Wege zur nächsten Hütte waren zum Glück gut zu gehen und so kamen wir trotzdem schnell voran.



Gegen Mittag verzog sich der Nebel dann und wir konnten ein großes Tal mit drei Seen vor uns erkennen. Rechts neben uns ragte der markante Gipfel des Saivaara empor. Wir allerdings stiegen nach links in das Tal ab und erreichten unten die Meekonjärvi-Hütte. Leider war sie verschlossen und so machten wir nur auf der Verande kurz Pause.







Dann liefen wir zuerst am Meekonjärvi, dann am Vuomakasjärvi entlang. Zwischendrin mussten wir den Vuomakasjoki überqueren. Zum Glück war die kaputte Brücke inzwischen wieder aufgebaut worden. Wir kamen noch an einer kleinen Schlucht vorbei und erreichten nach ein paar weiteren Geröllpassagen schließlich die Pitsusjärvi-Hütte.






Sie war klein und typisch finnisch spärlich eingerichtet. Aber egal, wo man ist, wenn irgendwo ein Holzofen bollert ist es immer gemütlich :) Wir waren heute beide richtig k.o. und wollten nur noch schlafen. Also machten wir uns direkt ans Abendessen. Da es in der Hütte schon ziemlich dunkel war, zündeten wir die einzige Kerze, die noch da war, zum essen an - machten sie danach aber gleich wieder aus, damit die nächsten Gäste auch noch was davon haben.




Wenig später polterte es im Vorraum und ein älterer Mann kam herein. Er grüßte nicht, stand ein paar Minuten im Raum und sah sich um und ging dann wieder ohne ein Wort zu sagen. Ziemlich seltsam.


Es war 19.00 Uhr finnischer Zeit - also für uns eigentlich erst 18.00 Uhr, aber wir waren so müde, dass wir trotzdem schon ins Bett gingen.


Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 6.00 Uhr. Flo stand zuerst auf. Er setzte sich auf und es gab einen dumpfen Knall. Er war mit dem Kopf gegen den Balken der Pritsche über uns gestoßen. Zehn Minuten später schälte ich mich auch aus dem Schlafsack und - dong - machte mein Kopf ebenfalls Bekanntschaft mit dem Balken. Na super.


Wir heizten den Ofen nochmal kurz ein, damit wir uns nochmal aufwärmen konnten, bevor es dann den ganzen Tag wieder kalt wird. Es regnete und stürmte immer noch. Zum Frühstück gab es gleich noch einen Liter Tee, weil wir tagsüber bestimmt wieder zu wenig trinken würden.


Zuerst ging es dann den Hang hinter der Hütte hoch und dann immer weiter bergauf.



Als wir in einer Hochebene angekommen waren, waren wir wieder umhüllt von dichtem Nebel. Teilweise konnten wir nicht mal bis zur nächsten Wegmarkierung sehen. Das funktionierte noch ganz gut, solange ein Weg erkennbar war. Aber oft ging es über Geröll oder von Felsen durchzogene Wiesen und wir brauchten immer etwas, bis wir herausfanden in welche Richtung es weiter geht. Weite Teile der Hochebene standen durch den Regen unter Wasser.





Nachdem wir zwischen zwei Seen hindurch gegangen waren, standen wir vor dem Goapmajohka. Er war ziemlich breit und tief. Es wären zwar viele Steine im Wasser, aber die waren durch den hohen Wasserpegel fast alle überspült. Eigentlich hätten wir die Schuhe ausziehen müssen. Aber es war einfach viel zu kalt und das An- und Ausziehen kostete immer Zeit. Zeit, in der wir uns nicht bewegen und uns noch kälter wird. Also versuchten wir es mit Schuhen. Natürlich war das eine blöde Idee. Die Steine waren extrem glitschig und manche einfach zu tief unter Wasser, so dass wir es nicht ganz mit trockenen Füßen rüber schafften.




Danach ging es über viel Geröll und wegen der schlechten Sicht in ziemlichem Zickzack wieder bergauf. Dann mussten wir feststellen, dass uns der Wanderweg gleich nochmal zweimal über den Goapmajohka führte. Die Querungen waren auch nicht besser als die erste. Und wir haben auch nicht dazu gelernt und weigerten uns immer noch, sie ohne Schuhe zu machen. Immerhin waren sie ja jetzt eh schon ziemlich nass.





Beim ersten klappte das sogar ganz gut. Beim zweiten versuchten wir ein paar Steine an die richtigen Stellen zu werfen, aber er war recht breit und so weit konnten wir dann auch nicht werfen. Also wurden die Schuhe noch ein bisschen nässer. Wir mussten dann noch über drei weitere Flüsse, die in den Somasjärvi flossen. ‚Jetzt wo die Schuhe schon nass sind, brauchen wir auch nicht mehr mit Ausziehen anfangen‘, dachten wir uns. Also einfach durch. Danach stand das Wasser in den Stiefeln. Das schleppten wir dann noch zwei Kilometer mit über die norwegische Grenze bis zur Somashytta - eine offene Statskog-Hütte.



Eigentlich wollten wir heute noch ein Stück weiter gehen und dann im Zelt schlafen. Aber es schüttete immer noch und der Gedanke an unser noch vom letzten Mal nasses Zelt wirkte nicht sonderlich anziehend. Außerdem hatte der Fluss, über den wir weiter mussten, um auf direktem Weg von hier zur Nedrefosshytta zu kommen, gerade extrem viel Wasser. Direkt an der Hütte war der Wasserpegel bei über zwei Metern. Wir quartierten uns also in der Hütte ein und sahen uns dann später nochmal die Karte an. Wir beschlossen, es morgen etwas weiter nördlich zu versuchen. Dort führt auch eine Quadspur über den Fluss, der wir bis dahin folgen konnten. Die Hütte schien bei Jägern beliebt zu sein - draußen lagen überall Knochen und Geweihstücke herum.


Leider war die  Hütte von unseren Vorgängern in keinem guten Zustand verlassen worden. Das Geschirr war nicht abgespült, es war kein Holz da und generell war alles ziemlich dreckig. Also ging Flo erstmal Holz hacken und ich machte Ordnung. Gas gab es keines in der Hütte, aber wir konnten zumindest Wasser in einem kleinen Kessel auf dem Holzofen erwärmen. Es dauerte bis der Ofen die Hütte aufwärmte. Solange kuschelte ich mich in meinen Schlafsack und setzte mich an die aufgeschobenen Tagebucheinträge.





Als es dann warm wurde, merkten wir wie müde wir eigentlich schon wieder waren. Irgendwie reichte unsere Energie momentan immer nur bis nachmittags. Dann fingen bei mir die Kopfschmerzen wieder an und ich fühlte mich irgendwie kränklich. Auch Flo war nicht so fit gerade. Am liebsten würden wir einfach durchziehen und so schnell es geht Alta erreichen. Blöd nur, dass uns da unsere wenige Energie in die Quere kam. Also machten wir uns um 19.00 Uhr bereits wieder bettfertig. Eine Stunde später hörten wir draußen dann Geräusche und zwei ältere Finnen kamen aus der Dunkelheit herein.


Mit Schlafen war dann nicht viel in dieser Nacht. Die Finnen schnarchten um die Wette, dass die ganze Hütte brummte. Da halfen auch keine Ohropax mehr.


Am nächsten Tag entschuldigten sie sich. Sie wollten noch wissen, wie wir weiter gehen und meinten, die Stelle, an der wir den Fluss überqueren wollen, dürfte klappen.


Es war wieder extrem nebelig und nieselte zwar nur, aber irgendwie war der Niesel so dicht, dass wir trotzdem innerhalb kurzer Zeit nass waren. Auch der Wind war wieder extrem stark und bald froren wir nur noch. Wir folgten der Quadspur etwa zwei Kilometer lang. Die Furt über den Fluss an dieser Stelle war nicht schwierig. Der Fluss floss nur langsam und das Wasser war maximal knietief.



Ab hier ging es dann weglos über die Hochebene weiter. Diese Abkürzung sparte uns etwa 26 Kilometer im Vergleich zum Wanderweg. Es war allerdings so nebelig, dass wir nur etwa 20 Meter Sicht hatten. Karte und Kompass würden uns so nicht viel helfen und wir verließen uns hauptsächlich auf den Track, den wir mit Martins Infos in Komoot gebastelt hatten. Zu Beginn ging es über hügelige Fjelllandschaft aufwärts. Wobei wir durch die schlechte Sicht wahrscheinlich mehr Höhenmeter machten, als nötig gewesen wären. Manche Hügel hätte man bestimmt umgehen können. Nach ein paar Kilometern kam ein zweiter Fluss, den wir aber gut über Steine überqueren konnten.



Das Wasser floss maximal bis zu den Knöcheln, was normalerweise kein Problem für unsere wasserdichten Stiefel ist. Doch heute lief direkt beim ersten Schritt das Wasser in meinen linken Schuh. Es kam irgendwo im Zehenbereich durch. Ein Loch konnte ich nicht finden. Vielleicht war die wasserdichte Membran an der Stelle kaputt. Woran es auch lag, auf jeden Fall waren meine Schuhe jetzt ziemlich nass, das reingelaufene Wasser ziemlich kalt und ich ziemlich frustriert. Die Schuhe waren gerade mal vier Wochen alt. Da ich es jetzt aber auch nicht ändern konnte, liefen wir weiter.


Es ging durch Gestrüpp, das stellenweise recht sumpfig war. Danach über eine Fläche, die teilweise unter Wasser stand und mit vielen Wasserlöchern gespickt war. Bei jedem Schritt lief neues kaltes Wasser in meinen Schuh.




Wir hatten gerade mal fünf Kilometer hinter uns und noch über 20 vor uns. Mir war eh schon so kalt und dann den ganzen Tag nasse Füße, vor allem wenn man eh schon gesundheitlich angeschlagen ist, war jetzt nicht gerade das beste. Nach knapp zehn Kilometern hielt ich es nicht mehr aus. Mein Fuß schmerzte vor Kälte. Ich zog meinen trockenen Ersatzsocken an und stülpte eine Plastiktüte darüber bevor ich wieder in den Stiefel stieg, damit er nicht gleich wieder nass wurde.



Funktionierte in der Theorie gut. In der Praxis war die Tüte allerdings nach einer Stunde durchgewetzt und damit auch der Ersatzsocke nass.


Wir liefen weiter durch den Regen und den Nebel ohne wirklich was von der Landschaft zu sehen. Manchmal standen wir plötzlich vor einem Felsvorsprung und dahinter war alles weiß. Manchmal konnten wir zumindest erahnen, was unter uns lag.





Immer wieder mussten wir über Geröllfelder, die vom Regen wieder ziemlich glatt waren. Wir rutschten mehrmals ab. Der eisige Wind fegte weiter über die flache Ebene. Es war anstrengend und machte nicht wirklich viel Spaß. Und irgendwie kam heute alles zusammen. Ich war nur am frieren und ich war wütend. Wütend auf den Nebel, den Regen und die Kälte. Wütend auf die rutschigen Steine. Wütend auf meine kaputten Schuhe. Und wütend auf mich, weil ich nicht fit war. Ich hatte keine Kraft mehr und konnte mir nicht vorstellen, unter diesen Bedingungen noch so weit zu laufen. Am liebsten hätte ich mich auf einen Stein gesetzt und einfach nur geheult und alles rausgelassen. Aber dafür war es zu kalt. Also zwang ich mich, die Zähne zusammen zu beißen und einfach weiter zu laufen.


Da es auch für Pausen zu kalt war, naschten wir zwischendurch nur immer ein paar Nüsse. Bei einer knackte es dann plötzlich und mein unterer Retainer war aus der Verankerung gebrochen. Auch das noch. Also wenn es mal schlecht läuft, dann richtig. Sobald wir Netz haben, muss ich in Alta also nach einem Kieferorthopäden suchen.


Nachmittags zog der Nebel dann doch noch auf und wir konnten endlich etwas von der Landschaft sehen, in der wir seit Stunden unterwegs waren. Wir kamen an einer kleinen Schlucht vorbei und uns umgaben ewig weite Fjellebenen. Wir liefen an einer Felskante entlang, um die kleine Seen und Bächer herum verteilt waren.





Und endlich konnten wir auch die Punkte aus der Routenbeschreibung besser anpeilen. Es ging gut voran und irgendwann sahen wir von der Weitr endlich die Starkstromleitung, der wir ins Tal hinab folgen konnten. Wir liefen geradewegs auf sie zu, landeten in dichtem Birkenwald und als wir einen Masten erreichten, folgten wir der Leitung westwärts, bis sich das tiefe Reisadalen vor uns öffnete. Wir waren sprachlos. Ein ewig langes Tal, durch das sich ein Fluss schlängelte - auf beiden Seiten von steil aufragenden Felswänden begrenzt und mit gelb-braunem Waldflächen bedeckt - lag unter uns. Und um uns dieses Panorama noch etwas zu versüßen, durchdrangen ein paar Sonnenstrahlen die Wolkendecke!



Mit dieser Aussicht ging es dann ziemlich steil 600 Höhenmeter abwärts. Unten angekommen, stießen wir dann wieder auf den Wanderweg. Wir hatten es geschafft!


Wir kamen an der Schutzhütte Vuomatakka vorbei und machten unsere erste Pause heute. Ich musste unbedingt aus den nassen Schuhen raus. Mein Fuß war schon komplett verschrumpelt. Wir wollten eigentlich noch die sechs Kilometer weiter zur Nedrefosshytta laufen, aber beim Blick auf die Uhr fiel uns auf, dass schon in einer halben Stunde die Sonne unterging. Das würden wir nicht mehr schaffen. Außerdem waren wir schon wieder ziemlich k.o. Also wollten wir die Nacht in der Schutzhütte bleiben.




Wir legten unsere Isomatten auf die Holzpritschen und überlegten dann, wie wir weiter gehen wollen. Wenn es weiterhin so nebelig ist und wir zudem nicht wirklich fit waren, wollten wir ungern weglos durch das Nábár laufen. Leider gibt es keine Möglichkeit mehr, das Wetter zu checken. Unsere letzte Vorhersage konnten wir in Kilpisjarvi laden. Auch das mit meinen Schuhen war ziemlich nervig. Im Nábár gibt es keine Hütten. Wenn ich Pech habe, müsste ich vier Tage mit komplett durchnässten Schuhen wandern. Aber wir hatten uns so auf dieses Hochplateau gefreut. Wir beschlossen, morgen in der Nedrefosshytta erstmal einen Pausentag einzulegen. Wenn wir danach wieder fitter waren, würden wir es versuchen, wenn nicht, wollte wir über Kautokeino weiter dem Wanderweg folgen.


Um 20.00 Uhr lagen wir dann schon wieder in den Schlafsäcken und schliefen auch direkt ein.


Am nächsten Tag starteten wir früh um die restlichen Kilometer zur Nedrefosshytta in Angriff zu nehmen und dort dann noch möglichst viel Zeit zu haben. Wir folgten dem Reisaelva durch das enge Tal und sahen die Hütte dann schon bald vor uns. Wir freuten uns schon so auf einen gemütlichen Tag und leckere Pfannkuchen.





Als wir dann jedoch vor der Tür standen, starrten wir fassungslos auf das Schloss. Das DNT-Schloss baumelte neben der Tür und stattdessen verriegelte ein Zahlenschloss den Eingang. Scheinbar musste diese Hütte vorher gebucht werden. Nur dass es hier absolut kein Netz gab. Das konnte jetzt einfach nicht wahr sein.




Total frustriert setzten wir uns an den Tisch auf der Terrasse und überlegten, was wir jetzt tun sollten. Das war es dann wohl mit unserer letzten DNT-Hütte.


Wir sahen auf der Karte, dass es etwa fünf Kilometer weiter nochmal eine Schutzhütte gab. Da der Weg mitten durch dichten Wald führte, würden wir wahrscheinlich auch keinen Zeltplatz finden. Also schulterten wir unsere Rucksäcke wieder und machten uns ziemlich geknickt auf den Weg dorthin. Sie liegt zwar hinter unserem geplanten Einstieg ins Nábár, aber Hubertus war von dort aufgestiegen, also müsste das auch klappen.


Direkt nach der Hütte überquerten wir den Fluss und folgten ihm ab da dann auf der anderen Seite. Teilweise führte der Weg direkt am Hang entlang. Rechts ging es steil etwa 30 Meter nach unten.




Nach dieser Stelle führte der Weg dann immer weiter bergauf. Vom höchsten Punkt hatten wir eine tolle Aussicht zurück und rechts sah man schon die Anfänge des Nábár-Plateaus.



Die kleine Hütte lag einige hundert Meter entfernt vom Wanderweg und war gar nicht so leicht zu finden. Das Dach und die Seitenwände waren komplett mit Gras bewachsen und von hinten sah sie einfach aus wie ein Grashügel. Sie war ziemlich winzig und die Tür war nur etwa 1,50m hoch, so dass wir uns vorkamen wie in einem Zwergenhaus.