• Miri

Etappe 9: Abisko bis Kilpisjärvi (Rohkunborri, Øvre Dividal & Mallan luonnonpuisto)

So schön die Zeit in Schweden war - wir freuten uns schon wieder richtig auf Norwegen und vor allem auch auf die gemütlichen Selbstversorgerhütten.


Von Abisko aus ging es dann mit schnellen Schritten Richtung Norwegen und wir folgten wieder dem Nordkalottleden. Wir liefen wieder durch wunderschönes herbstliches Fjell und Birkenwäldchen in den buntesten Farben. Das sah alles einfach so wunderschön aus, dass wir vor lauter Staunen, Bewundern und Fotografieren wieder gar nicht voran kamen. In ständigem Auf und Ab ging es durch diese verzauberte Landschaft.






Eine Zeit lang liefen wir am westlichen Ufer des Torneträsk entlang. Die bunten Farbtupfer des Waldes spiegelten sich in seiner Oberfläche.




Danach ging es bergauf und ein knallgelber Steinturm markierte die norwegische Grenze. Tief unter uns sahen wir einen kleinen türkisfarbenen See, der eingerahmt von den vielen bunten Bäumen ein tolles Bild lieferte.





Der Anstieg wurde langsam immer steiler und das letzte Stück zur Hütte hatte es ganz schön in sich - vor allem mit unseren voll mit Essen für elf Tage beladenen Rucksäcken.


Keuchend kamen wir oben an und wurden gleich vor der Tür begrüßt mit: „Seid ihr die zwei Bayern, die Norge på langs laufen?“ Verdutzt nickten wir und fragten, wer uns denn schon angekündigt hat. Obwohl es uns im selben Moment eigentlich schon klar war. Das konnte fast nur Hubertus gewesen sein. Und wir hatten Recht. Er hat den Karlsruher wohl gestern hier getroffen. Da der auf seiner Tour in die andere Richtung unterwegs war und in Kilpisjärvi gestartet ist, konnte er uns gleich noch ein paar Tipps zu den Strecken geben. Wir beugten uns über seine Karte und er zeigte uns Flussquerungen, Geröllfelder und einen guten Zeltplatz für heute Nacht. Ein Stück wollten wir noch weitergehen und den langen Anstieg heute gleich hinter uns bringen.



Ziemlich steil zog sich der Weg dann nach der Lappjordhytta den Hang hinauf. Bald hatten wir die Baumgrenze hinter uns gelassen und die Umgebung sah direkt ganz anders aus. Die bunten Farben waren verschwunden und wir fanden uns in einer kargen, eher braunen und von Steinen durchzogenen Landschaft wieder.





Der Blick zurück zeigte das Tal  aus dem wir aufgestiegen sind und eine hohe Bergkette, deren schneebedeckte Gipfel von einem Wolkenbalken verdeckt wurden. Während ich fotografierte, versteckte sich Flo im Windschatten eines Steinmännchens. Der Wind hat ziemlich zugenommen seid wir aus dem schützenden Wald raus waren.




Nachdem wie den höchsten Punkt überschritten haben, ging es in losem Geröll bergab.





Auf der anderen Seite des Riksoelva suchten wir dann nach einem windgeschützen Zeltplatz. Das stellte sich als gar nicht so leicht heraus. Der Wind peitschte ungehindert durch das Tal. Wir verließen den Wanderweg und gingen links zu ein paar kleineren Hügeln. Wir hofften, die hohe Felswand auf der anderen Seite des Flusses würde uns Windschatten geben. Und tatsächlich war es fast vollständig windstill dort. Perfekt! Es fing schon zu tröpfeln an und wir beeilten uns mit dem Zeltaufbau.




Keine halbe Stunde später hatte der Wind komplett gedreht und rüttelte heftig an den Zeltwänden. Er wurde immer stärker und das Gestänge bog sich bei jeder Böe durch. Regen peitschte gegen die Plane und wir saßen im Zelt und dachten uns, dass das doch jetzt nicht wahr sein konnte. So sorgfältig hatten wir den Zeltplatz ausgesucht und dann das.


Es folgte eine der unruhigsten Nächte, die wir je hatten. Die ganze Nacht wütete ein richtiger Sturm. Die Windböen verursachten einen ungeheuren Lärm wie sie mit voller Wucht gegen die Zeltplane schlugen. Dazu das dauerhafte laute Trommeln der Regentropfen. An Schlafen war nicht zu denken.


Erst am Morgen war der Spuk dann vorbei und ein paar Sonnenstrahlen trafen das Zelt. Direkt neben unserem Zeltplatz bildete der Fluss einen kleinen Wasserfall über eine Felsstufe. Beim Wasser holen fiel uns die interessante Musterung der Felsen auf. Schmale Streifen in verschiedenen Grautönen durchzogen sie und das Wasser ließ sie bläulich schimmern.





Zu Beginn liefen wir heute durch ein schönes Tal mit imposanten schneebefleckten Bergen an seinem Ende.





Kurz danach fing es wieder an zu regnen. Nebel verdrängte die Sonne und es wurde schnell ziemlich kalt.




Nach neun Kilometern erreichten wir den Salvvasjohka. Dort wollten wir unsere Mittagspause machen. Als hätte die Sonne das geahnt, schaffte sie es, immer mehr Wolken zu verdrängen und wir konnten uns wieder ein bisschen aufwärmen. In Abisko hatten wir uns eine Tube Schmelzkäse mit Gemüse fürs Knäckebrot gekauft - zumindest dachten wir das, weil es neben all den anderen Schmelzkäsetuben mit verschiedenen Geschmacksrichtungen im Regal hing. Wie sich herausstellte war es aber Mayonnaise mit Gemüse… Also haben wir eben eine ganze Tube Mayonnaise auf unserem Knäckebroten verteilt. Wenn man nicht drüber nachdenkt, ist es gar nicht so eklig wie es sich anhört ;)



Danach folgten wir dem Fluss weiter durch das schöne Salvvasväggi-Tal mit bunten Hügeln und ich ließ meine Gedanken schweifen. Es war schön, endlich mal Zeit für all die Gedanken zu haben, die spontan in meinem Kopf auftauchten. Solche, die im Alltag meistens schnell zur Seite geschoben wurden, weil oft nur Platz ist, für das was gerade wichtig ist oder was gerade ansteht. So vergingen die Kilometer schnell.



Inzwischen hatten wir das karge Fjell hinter uns gelassen und wanderten wieder durch ein Meer an gelben, roten und orangenen Farbtupfern. Wir kamen an einer weiteren kleinen Schlucht vorbei. Wir folgten ihr in ständigem Auf und Ab und bewunderten die Farbenpracht.









Kurz vor dem Livatnet machten wir nochmal eine kleine Kaffeepause mit wunderschöner Aussicht. Wir ließen uns noch ein bisschen die Sonne ins Gesicht scheinen, bevor wir ihr wieder den Rücken zukehrten und weiter zum See wanderten.




Wir erreichten eine kleine Hüttensiedlung und folgten einer Schotterstraße um das westliche Ende des Sees herum. Wir überquerten noch einen zufließenden Fluss und stellten an einem weiteren, umgeben von rötlichen Flechten, unser Zelt auf.







Die Nacht war dann zum Glück weniger windig und wir haben einigermaßen gut geschlafen. Beim Frühstück genossen wir bei offenen Zelttüren nochmal die schöne herbstliche Aussicht.



Nachdem wir den Fluss überquert haben, verlief der Weg eine Zeit lang durch Birkenwald - immer noch am Livatnet entlang. Dann schwenkte er weiter weg vom Ufer und bald wichen die Bäume wieder einer herrlich roten Fjelllandschaft.







Unsere Mittagspause machten wir dann in der Gaskashytta. Es gab Pfannkuchen mit ein paar Stückchen Schokolade :)


Die Hütte war richtig gemütlich mit vielen süßen Details.









Als wir uns die weitere Strecke ansahen, überlegten wir, ob es sinnvoll ist, heute noch weiter zu gehen. Bis jetzt haben wir immer zwischen den Hütten übernachtet und die Hütten zum Aufwärmen in der Mittagspause genutzt. So müssten wir aber heute auf etwa 1000 Meter Höhe übernachten und es war die ganze Nacht Regen angesagt, der dort oben bei den Temperaturen schon Schnee sein könnte. Allerdings war heute auch vorerst der letzte sonnige Tag und den wollten wir natürlich lieber zum Wandern nutzen. Wir hörten dann aber doch auf unser Bauchgefühl und entschieden uns, hier zu bleiben und unseren Wanderrhythmus damit wieder dahingehend zu ändern, dass wir die folgenden Hütten abends erreichen werden statt mittags. Bei den Wetteraussichten - jeden Tag Regen und kaum über 0 Grad - fühlten wir uns so wohler.


Als die Entscheidung gefallen war, machten wir es uns erst mal richtig gemütlich in der Hütte. Wir legten uns mit Wolldecken und ein paar Fjell og Vidde Zeitschriften auf die Bänke und ließen uns die Sonne durchs Fenster ins Gesicht scheinen. Zum draußen sitzen war es durch den eisigen Wind leider zu kalt.





Abends kochten wir uns dann leckere vegane Pasta Bolognese - unser Lieblingsessen auf dieser Tour - und hörten Musik aus einem batteriebetriebenen Radio. Es wurde ein richtig schöner Hüttenabend bei Kerzenschein.





Am nächsten Morgen war es dann richtig ungemütlich draußen. Die ganze Nacht hatte es geregnet und auch jetzt fielen die Tropfen nur so vom Himmel. Zudem wehte wieder ein richtig starker Wind und auch noch genau aus der Richtung, in die wir müssen. Als wir los gingen, hatte es nur 4 Grad.


Der Anstieg fing dann auch kurz nach der Hütte an. Die Wege waren alle vom Regen aufgeweicht und ziemlich matschig. Ab etwa 800m Höhe verwandelte sich der Regen in Schnee. Der Wind wehte uns die kleinen Eiskristalle mit hoher Geschwindigkeit frontal ins Gesicht, was sich wie lauter kleine Nadelstiche anfühlte. Je höher wir kamen, desto mehr Schnee blieb liegen. Bald war der Boden um uns herum fast komplett weiß bedeckt. Da war er also - unser erster Schnee! Waren wir nicht gestern noch in der schönsten Herbstlandschaft unterwegs? In Schweden wurde uns schon erzählt, dass der Herbst hier ein kurzes Vergnügen ist. Er hatte jetzt tatsächlich nur eine Woche gedauert.






Ein bisschen Sorge kam dabei schon bei uns auf. Der Wintereinbruch kam viel zu früh für uns. Aber die Kälte und Anstrengung beendeten diese Gedanken schnell wieder und ließen uns nur darauf konzentrieren, irgendwie gegen diesen extremen Gegenwind vorwärts zu kommen.


Nach sechs Kilometern ging der Weg über in ein riesiges Geröllfeld. Die Steine waren ziemlich rutschig durch den Schnee. Aber die Landschaft gefiel uns immer besser. Unter den tief hängenden Wolken versteckten sich einige hohe Gipfel.


Immer weiter wanderte wir durch diese Winterlandschaft und konnten es irgendwie nicht so recht glauben, dass wir gerade wirklich schon im Schnee unterwegs sind. Aber an unseren Füßen und Händen spürten wir es deutlich. Es war einfach so kalt. Viel zu kalt für Pausen. Nach endlosen fünf Kilometern über Geröll ging der Weg wieder über in Sumpf. Ein paar kleine Seen lagen verteilt vor den schneebedeckten Bergen. Die Landschaft sah so angezuckert einfach wunderschön aus! Obwohl ich meine Hände schon nicht mehr spüren konnte, musste ich sie immer wieder aus den Handschuhen ziehen und ein paar Fotos schießen.





Wäre es nicht so dermaßen kalt und stürmisch, würde es heute richtig Spaß machen. Aber da wir immer noch keine Pause hatten, tat uns langsam alles weh: unsere Füße vom langen Geröllfeld, unsere Rücken von den schweren Rucksäcken und der ganze Rest vor Kälte.


Zwei Kilometer von der Hütte entfernt standen wir dann vor einem großen Tal, an dessen Ende wir die Umrisse der Vuomahytta erkennen konnten. Wie weit konnten zwei Kilometer aussehen? Wir wollten keinen Schritt mehr gehen. Nur die Aussicht auf den knisternden Holzofen trieb unsere Füße noch vorwärts.


Irgendwie brachten wir auch diese zwei Kilometer noch rum und standen überglücklich und erleichtert vor der mit dem DNT-Schloss verriegelten Tür.  Ich setzte gleich Teewasser auf und zündete ein paar Kerzen an während Flo den Ofen einheizte. Dann ließen wir uns auf die große blaue Couch vor dem Panoramafenster fallen, wickelten uns in Wolldecken ein und genossen die fantastische Aussicht. Draußen schneite es immer noch leicht. Das Außenthermometer zeigte 2° C.



Zum Abendessen gab es dann einen riesigen Berg Couscous. Danach saßen wir noch lange bei Kerzenschein vor den großen Fenstern. Die Aussicht auf die beschneiten Berge wie sie im bläulichen Abendlicht majestätisch vor uns lagen war einfach fantastisch!




Wir waren ganz fasziniert von den Spiegelungen der Kerzen mit diesem Bergpanorama im Hintergrund.




Gegen 22.00 Uhr gingen wir dann schlafen, damit wir morgen wieder früh los können. Die Schlafzimmer in den Hütten sehen immer ziemlich gleich aus. Meistens sind es zwei Stockbetten in einem kleinen Raum. Und oft gibt es noch ein kleines "Bad" ohne fließendes Wasser, dafür mit einer Waschschüssel.




Auch für den nächsten Tag war Regen angesagt und unsere Motivation hielt sich in Grenzen. Die ersten paar Kilometer waren dann aber gut zu gehen. Die rötlichen Flechten bildeten einen starken Kontrast zu den schneebedeckten Bergen. Als versuchte der Herbst gegen das graue und kalte Wetter mit all seiner Farbenpracht anzukämpfen. Und irgendwie schaffte er das auch. Es fiel schwer, sich vom Regen runterziehen zu lassen, wenn um einen herum alles leuchtet. Bald waren auch unsere nassen Stiefel herbstlich dekoriert.






Dann wurde der Boden wieder sumpfiger und schlammiger. Teilweise verschwand unser halber Trekkingstock in den Sumpflöchern und oft genug auch unsere kompletten Stiefel. Nach nur wenigen Kilometern stand das Wasser in unseren Schuhen. Selbst da, wo es nicht schlammig war, stand der Wanderweg unter Wasser. Und der Regen machte keine Anstalten aufzuhören.




Da uns unsere Füße den pausenlosen Tag gestern ziemlich übel genommen haben, wollten wir heute versuchen zumindest kurze Pausen einzulegen. Wir ließen uns vom Regen nicht irritieren und setzten uns einfach neben den Wanderweg.


Aber schon nach fünf Minuten froren wir so stark, dass wir doch lieber weiter gingen.



Mit der Zeit wurde das Gestapfe durch den Matsch wirklich anstrengend und trübte die gute Laune. Um manche knietiefe Schlammlöcher fanden wir kaum einen Weg herum.



Wir stiegen ab zum Øvre Divifoss, überquerten ihn über eine wackelige Hängebrücke und liefen dann noch eine Zeit lang neben ihm her.




Die letzten zwei Kilometer zur Hütte stand uns dann nochmal ein Anstieg von 250 Höhenmeter bevor. Wir liefen durch dichten Wald mit vielen Nadelbäumen. Solche hatten wir jetzt schon ziemlich lange nicht mehr gesehen. Hier soll es wohl auch Bären geben, aber wir sind zum Glück keinem begegnet. Wir wanderten an einer Schlucht vorbei, durch die ein türkiser Fluss rauschte. Als wir höher kamen, konnten wir dann das ganze waldige Tal überblicken.






Als wir endlich die Dividalshytta erreichten, schmerzten unsere Füße von dem vielen Sumpf ziemlich. Es war ganz schön was los auf den Hütten und wir konnten die letzten zwei Betten in der Gamle Hytta ergattern.



Es war eine Fotokurs-Gruppe, die hier ein Wochenende verbracht hat. Wir plauderten noch ein bisschen mit dem Lehrer des Fotokurses und einem chinesischen Paar. Wir erzählten von unserer Tour. Sie fragten uns, was bisher das spannendste Erlebnis war. Unsere Gehirne fingen an zu rattern und tausende Erinnerungen spulten vorbei. Doch irgendwie waren wir unfähig, eine Antwort darauf zu geben. Und wir merkten, dass wir all die vielen Eindrücke erst noch verarbeiten und sortieren müssen. So wurde es nur eine 0815-„jede Etappe hatte ihre schönen Abschnitte und spannenden Momente“-Antwort.


Als wir dann beim Abendessen saßen, zog draußen ein richtiger Sturm auf. Die ganze Hütte wackelte und knarzte. Und wir waren wieder einmal ziemlich froh, die Nacht drinnen verbringen zu können!


Am nächsten Morgen wurde es dann eng auf dem Herd, als jeder gleichzeitig sein Frühstück kochen wollte. Das chinesische Pärchen kochte sich allen ernstes chinesische Instantnudeln zum Frühstück und in der Hütte roch es schnell wie in einem Chinarestaurant.


Als wir uns dann verabschiedet und die Hütte verlassen hatten, stürmte und regnete es immer noch stark. Die Motivation hielt sich wieder einmal in Grenzen. Wir hatten so gar keine Lust auf 25 Kilometer bei diesem Wetter.


Es ging direkt den Berg hinter der Hütte weiter hoch. So wurde uns wenigstens gleich warm. Aber der Gegenwind war extrem und wir konnten kaum einen Fuß vor den anderen setzen.


Nach zwei Stunden hatten wir erst vier Kilometer geschafft. Inzwischen wurde es schon wieder um 18.30 Uhr dunkel. In dem Tempo würden wir es nicht vor Einbruch der Dunkelheit zur nächsten Hütte schaffen.



Nachdem wir den höchsten Punkt erreicht haben, ging es länger durch eine Hochebene zwischen hohen Bergen hindurch. Wir kletterten über ein längeres Geröllfeld. Ein paar Schneereste lagen noch am Wegesrand.


Der Wind dachte nicht daran, weniger zu werden und peitschte uns den Regen mit hoher Geschwindigkeit weiter ins Gesicht.





Als wir am Ende dieser Hochebene ankamen, erblickten wir unter uns ein großes Tal, durch das sich ein breiter Fluss schlängelte.


Wir stiegen in das Tal hinab und standen nach neun Kilometern dann vor dem Fluss, von dem uns der Karlsruher erzählt hatte. Wir wollten unbedingt vermeiden, ohne Schuhe durch diesen Fluss zu gehen, da sich unsere Füße bei diesem Wetter nicht mehr aufwärmen würden und wir ja immer noch 16 Kilometer vor uns hatten. So liefen wir eine Zeit lang am Flussufer entlang und fanden dann tatsächlich eine Stelle, an der wir etwas diagonal über Steine ans andere Ufer kamen.



Danach folgte wieder ein Anstieg und weitere sechs Kilometer später wartete die zweite Hürde für heute auf uns: ein großes tiefes Sumpffeld. Zwei andere NPLer - Katharina und Manuel - hatten uns zum Glück vorgewarnt und uns den Tipp gegeben, weiter östlich zu gehen. Ein paar Wanderer sind wohl bis zur Hüfte eingesunken und konnten sich nicht mehr alleine befreien. Dieser trügerische Boden war uns noch nie geheuer, aber bisher hatten wir immer Glück gehabt. Wir tasteten den Boden vor jedem Schritt mit den Trekkingstöcken ab, bevor wir einen Fuß darauf setzten. So sanken wir maximal knöcheltief ein - das aber bei fast jedem Schritt, so dass unsere Schuhe danach wieder komplett durchnässt waren.



Als wir das sumpfige Tal endlich geschafft haben, folgte nochmal ein Anstieg. Die restlichen Kilometer liefen wir dann teils über Geröll, teils über recht gute Wege.




Allerdings waren die Flusspegel durch den starken Regen alle ziemlich angestiegen und aus jeder normal einfachen Flussüberquerung wurde eine lange Suche nach der geeigneten Stelle. Sogar kleine Bäche waren so tief, dass wir eigentlich die Schuhe hätten ausziehen müssen. Aber da die ja eh schon komplett nass waren, ließen wir sie einfach an. Das kalte Wasser, das jedes Mal hinein floss, kühlte unsere Füße weiter ab.


Die letzten fünf Kilometer zur Dærtahytta zogen sich endlos. Immer noch peitschte uns der Regen ins Gesicht und der Gegenwind versuchte uns am Vorankommen zu hindern. Wir liefen nur noch wie zwei Zombies durchs Fjell. Immer einen Fuß vor den anderen, ohne viel nachzudenken.


Als wir dann endlich vor der Hütte standen und das DNT-Schloss klacken hörten, waren wir unfassbar erleichtert. Es dämmerte schon.