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NZ - Etappe 2: Otago Central Rail Trail, Lake Dunstan Trail & Queenstown Trail

Otago Central Rail Trail


Nachdem wir auf unserem ersten Tour-Abschnitt, dem Alps 2 Ocean Cycle Trail, viele Seen und tolle Gebirgszüge gesehen haben, erwarteten uns auf dem nächsten Trail wieder ganz andere Landschaften.

Der Otago Central Rail Trail verläuft auf einer alten Eisenbahnstrecke, die nach dem Goldrausch in Otago von 1891 bis 1907 gebaut wurde und dann in den 1990er Jahren wieder abgebaut wurde. Später wurde die Strecke dann in diesen Trail verwandelt. Man durchquert einige historische Orte mit oft noch gut erhaltenen Gebäuden der Goldgräberzeit und fährt durch weitläufige, schöne Ebenen.


Wir stiegen in Ranfurly auf den Trail ein. Von dort aus ging es zuerst ewig lang geradeaus vorbei an Viehweiden und Blumenwiesen und hügeligen grünen Ebenen. Nach etwa 20 Kilometern erreichten wir den Highpoint (618m) des Trails.







Ab da ging es gemächlich bergab.

Wir fuhren auf dem Poolburn Viadukt, einer alten Eisenbahnbrücke, über die Poolburn Gorge und durchquerten zwei felsige, komplett dunkle Tunnel.







Danach fuhren wir an der Schlucht entlang hinab ins Tal.



Kurz vor Omakau kamen wir an einem kleinen schönen Farmshop mit vielen selbstgemachten Produkten vorbei und nahmen uns ein Gläschen Kleeblütenhonig mit.



Danach ging’s auf den Campingplatz dort und wir wurden super nett empfangen. Das war bis jetzt der schönste Campingplatz auf unserer Tour und dazu mit 17€ sogar noch echt günstig.


Da am nächsten Tag wieder über 30°C angesagt waren, beschlossen wir den Tag lieber auf dem schattigen Campingplatz zu verbringen. Wir mussten eh dringend Wäsche waschen und machten uns einen schönen gemütlichen Tag. Nachmittags schauten wir in das kleine Café im Ort auf einen Cheese-Scone und zwei Kuchenstücke und später noch für eine Abkühlung runter zum Fluss.




Am Tag darauf standen wir extra früh auf um noch ein paar Kilometer in den kühleren Vormittagsstunden zu schaffen.


Der Trail führte durch eine ziemlich trockene Landschaft. Nach einigen Kilometern sahen wir am Horizont eine hügelige ockerfarbene Landschaft. Wir fuhren immer weiter darauf zu. Sie erinnerte uns ein bisschen an die Gorafe-Wüste in Spanien. Es ist echt faszinierend wie viele verschiedene Landschaftsformen es hier auf so kleinem Gebiet gibt.







Dann wechselte das Bild wieder. Es wurde wieder etwas grüner und aus den Grasflächen ragten immer wieder gezackte Felsen heraus. Wir fuhren über eine weitere alte Holzbrücke, unter der ein fast ausgetrockneter Fluss entlang floss.




Dann erreichten wir Alexandra und suchten in einem süßen Café erst mal nach Schatten. Wir nutzten die Gelegenheit und probierten gleich mal eine Pavlova - ein typisch neuseeländisches Dessert aus außen knusprigem und innen noch weichem Baiser. Darauf kommen Sahne (ziemlich viel Sahne!) und rote Früchte.




Danach waren wir zum Fahrradfahren erstmal viel zu voll, die Pavlova haute ganz schön rein ;) Gut, dass es nur noch neun Kilometer zu unserem heutigen Ziel, der historischen Stadt Clyde, waren. Dort endete dann auch der Otago Central Rail Trail.




Die Sonne brannte vom Himmel und Schatten war wieder ein seltenes Vergnügen, so dass wir völlig überhitzt auf dem Campingplatz ankamen und zum Glück noch einen Platz unter einem großen Baum ergatterten.


Beim Abendessen kochen trafen wir dann eine deutsche Gruppe Radreisende wieder, die gestern auf dem selben Campingplatz in Omakau waren. Wir wurden auf ein Glas (oder eher einen Campingbecher) Wein eingeladen und es wurde ein richtig schöner Abend. Wir dachten erst, sie gehörten alle zusammen, aber sie haben sich auch erst unterwegs kennen gelernt. Es war total interessant ihre verschiedenen Geschichten zu hören. Wir waren alle an total unterschiedlichen Punkten in unserem Leben und trotzdem hatten wir gerade alle das gleiche Ziel - dem Hamsterrad zuhause für ein paar Monate zu entfliehen und einfach mal richtig das Leben leben :)



Lake Dunstan Trail


Für den nächsten Tag stand dann wieder ein neuer Trail auf dem Programm: der Lake Dunstan Trail. Dieser Trail ist nur 41 Kilometer lang und deshalb gut an einem Tag zu schaffen. Er führt in unterschiedlichen Höhen am Ufer des Lake Dunstan entlang bis nach Cromwell.



Vormittags war es wieder extrem heiß. Ab mittags kühlte dann ziemlich frischer Südwind die Luft ab. Das Gute daran war, dass wir ihn die meiste Zeit heute im Rücken hatten und er uns bei manchen Anstiegen gut anschob ;)


Zuerst ging es relativ auf Seehöhe in Wellen auf und ab. Dann folgte der erste größere Anstieg und brachte uns in eine imposante grüne Bergwelt. Die Aussicht von oben auf den See war traumhaft!






In geschwungenen Serpentinen folgte dann eine tolle Abfahrt. Als Singletrail schlängelte sich der Weg dann weiter an steilen felsigen Klippen entlang. Teilweise waren Holzstege an den Felsen angebracht worden, wenn die Klippen zu senkrecht für einen Weg waren. Einmal führte uns der Trail 30m über dem Specularite Creek über eine  Hängebrücke.





Dann folgte wieder ein langer schweißtreibender Anstieg bis wir den höchsten Punkt des Trails erreichten. Der Wind blies uns ganz schön um die Ohren dort oben. Wir fanden einen bushäuschenartigen Unterstand und konnten dort windgeschützt Mittagspause machen.




Anschließend ging es über die Cairnmuir Ladder wieder serpentinenartig bis ganz nach unten. Wir hatten nochmal traumhafte Aussichten auf den unter uns liegenden leuchtend blauen See.




Kurz vor dem Ende des Trails kamen wir an der Carrick Winery vorbei und machten einen kurzen Zwischenstopp dort. Sie war richtig schön gelegen inmitten der Weinplantagen.



Zum Campingplatz mussten wir dann nochmal ein gutes Stück bergauf. Dafür konnten wir unser Zelt wieder im Schatten aufstellen. Nach einer Kaffeepause kochten wir uns Abendessen. Da der nächste Supermarkt sechs Kilometer weg war, gab’s nur Nudeln mit Soße. Aber das störte uns heute nicht. Es war ein richtig guter Tag. Der Trail hatte so viel Spaß gemacht und die Landschaft um den See war wieder einmal einfach gigantisch. Und dann fanden wir auch noch einen richtig guten Rock-Radiosender in der Küche. Was will man mehr? :)



Den Abend ließen wir dann wieder mit den anderen deutschen Bikepackern ausklingen und es wurde nochmal ein total schöner Abend, bevor sich morgen unsere Wege wieder trennen würden.


Am nächsten Morgen mussten wir eine Entscheidung treffen. Wir wollten heute bis nach Queenstown fahren, doch der Trail dorthin ist noch nicht fertig gestellt. Wir müssten also auf der Hauptstraße fahren. Davon haben uns jetzt aber schon so viele abgeraten, da sie sehr eng und kurvig und daher für Radfahrer ziemlich gefährlich sein soll. Gestern noch hatten wir versucht ein paar Anbieter von Fahrradtouren aus Queenstown anzufragen, ob uns jemand mit zurück nehmen könnte, nachdem sie die Radfahrer für den Lake Dunstan Trail hier abgesetzt haben. Doch leider waren alle schon komplett ausgebucht. Die einzige andere Möglichkeit wäre der Intercity Bus. Aber da müssten wir die Fahrräder wieder zerlegen und da sie pro Fahrt immer nur zwei Fahrräder mitnehmen, wäre es zudem unsicher ob es überhaupt klappt. Wenn wir Pech haben, stehen wir dann um 16.00 Uhr an der Haltestelle und dürfen nicht mitfahren, weil schon andere Räder im Bus sind. Wir buchten uns auf gut Glück trotzdem zwei Tickets. Dann versuchten wir auf den ausgebuchten Campingplätzen in Queenstown irgendwo noch einen freien Zeltplatz zu bekommen. Wir mussten einen teureren Caravan-Platz buchen, da es sonst einfach nichts mehr gab.


Wir putzten noch die Räder, da sie für den Transport sauber sein mussten. Eine Stunde vorher waren wir dann an der Haltestelle in Cromwell und fingen an, die Räder wieder auseinander zu bauen: Taschen runter, Lenkergriffe, Reifen und Pedale ab und Ketten mit zwei alten Supermarkttüten einwickeln. Dann hieß es Daumen drücken.



Als der Busfahrer einfuhr und unsere Räder bemerkte, machte er keinen hoffnungsvollen Gesichtsausdruck. Wir sahen, dass er mit zwei Fahrgästen sprach. Die zwei stiegen aus und holten ihre Räder aus dem Gepäckraum. Puh! Der Busfahrer kam auf uns zu und meinte, da hätten wir jetzt ganz schön Glück gehabt. Wenn die zwei hier nicht ausgestiegen wären, hätte er uns nicht mitnehmen können. Wir waren erleichtert, verstauten schnell alles und setzten uns dann in den komplett vollen Bus.


Die Fahrt war extrem kurvig, es war viel Verkehr und der Bus fuhr mit einer ziemlich rasanten Geschwindigkeit. Wir waren heilfroh, die Strecke nicht mit den Rädern fahren zu müssen. Es hätte durch die vielen engen Kurven für die anderen Fahrzeuge so gut wie keine Möglichkeiten gegeben, uns auf den Fahrrädern sicher zu überholen.


Die Aussicht während der Fahrt war dafür gigantisch! Wir fuhren an der Kawarau Gorge mit ihrem reißenden türkisfarbenen Fluss entlang durch mächtige hohe Berge hindurch. Der Trail, wenn er mal fertig gestellt ist, muss atemberaubend sein!



Queenstown


In Queenstown angekommen, bauten wir wieder alles zusammen und machten uns auf zum Campingplatz. Abends schlenderten wir noch ein bisschen durch die Stadt, holten uns Fish&Chips und schauten uns den Sonnenuntergang über dem Lake Wakatipu an. Es war ganz schön was los in dem Ort. Mit dem von Bergen umringten See, den vielen Touristen und den ganzen Bars und Restaurants entlang der Uferpromenade hatte er fast etwas Gardasee-Flair ;)





Den nächsten Tag nutzten wir um unsere Route für den Abschnitt an der Westküste richtig zu planen, noch ein paar Ersatzteile für die Räder zu besorgen und uns Badekleidung zu kaufen, damit wir nicht immer in Unterwäsche schwimmen gehen mussten ;)


Nach einem ausgiebigen Frühstück mit allem was der Supermarkt hergab, stiegen wir wieder auf die Räder. Schnell fiel mir auf, dass die Gangschaltung extrem schwer ging. Wir versuchten rauszufinden, wo das Problem liegt, wurden aber nicht wirklich fündig. Also fuhren wir zurück zum Outdoorladen, dort gab es einen Bike-Service.




Nach einer Stunde konnten wir es wieder abholen. Sie hatten das Schaltseil erneuert für einen ziemlich saftigen Preis. Aber zumindest funktionierte es jetzt wieder und wir konnten weiter fahren.


Queenstown Trail


Unser Weg führte uns heute über den Queenstown Trail nach Arrowtown. Gerade als wir losfuhren fing es an zu regnen. Es blieb aber trotzdem warm, also störte uns der Regen gar nicht so.


Zuerst fuhren wir noch ein Stück am Lake Wakatipu entlang auf dem Frankton Track. Die gezackten hohen Berge dahinter erinnerten uns ein bisschen an die Dolomiten in Südtirol. Es ging immer wieder durch kleine Waldstücke mit kurzen Anstiegen.



Dann folgte der Twin Rivers Trail, der am Kawarau River entlang führte. Der Fluss leuchtete trotz des grauen Wetter türkisblau und zusammen mit den wolkenverhangenen Bergen entstand ein beeindruckendes Bild.





Später sprach uns ein vorbeifahrender Neuseeländer an und fragte uns über unsere Tour aus. Er fand es toll, was wir machen und gab uns gleich noch ein paar Tipps mit auf den Weg. Morgen würde einer der härtesten Tage auf uns warten, meinte er und wünschte uns viel Glück dafür.


Dann ging es wieder durch Wald bevor wir dann auf den Countryside Trail wechselten und die Wolken endlich die Sonne durchließen. Die Landschaft war hügelig und bescherte uns einige steile Anstiege. Im Hintergrund ragten hohe Bergketten auf. Es war unglaublich wir abwechslungsreich der Trail heute war!




Bald darauf erreichten wir Arrowtown.

Auf dem Campingplatz dort trafen wir einige Te Araroa-Wanderer, da der Trail hier durchführt. Dieser Trail würde uns schon auch sehr reizen, vielleicht finden wir ja irgendwann die Zeit dafür :)


Crown Range


Am Tag darauf ging es für uns nach Wanaka. Dafür mussten wir über die Crown Range - Neuseelands höchste befestigte Straße, von der uns der Neuseeländer gestern schon gewarnt hatte. Wir hatten ziemlichen Respekt vor dem 13 Kilometer langen Anstieg.


Zuerst folgten wir dem Tobin‘s Track. Über eine grobe Kiesstraße ging es direkt nach Arrowtown ziemlich steil den Berg hoch. Teilweise mussten wir schieben, weil es mit dem ganzen Gepäck einfach zu steil war.




Als wir kurz Verschnaufpause machten, kamen wir mit einem Neuseeländer ins Gespräch, der die Strecke selbst schon mit dem Mountainbike gefahren ist. Er meinte, nach dem Tobin‘s Track hätten wir die schlimmste Stelle geschafft und dass es nach der Talfahrt ein schönes Hotel gibt, wo wir unbedingt ein Bier trinken müssen. Da hatten wir ja gleich eine gute Motivation ;)


Dann erreichten wir endlich das Ende des Tracks. Der Blick hinunter ins Tal, das ringsherum von hohen Bergketten umrahmt war, war ziemlich beeindruckend! Ganz hinten konnte man sogar noch Queenstown erkennen!




Wir gönnten unseren Muskeln eine kurze Pause bevor es dann auf der Straße weiter bergauf ging.




In endlosen Kurven wand sich die Passstraße die Berge nach oben. Es wurde immer anstrengender, die Sonne schien erbarmungslos vom Himmel und bald scho waren unsere Beine kaum mehr zum treten zu motivieren. Das Wort Abstand schien es in Neuseeland scheinbar nicht zu geben, oftmals war kein halber Meter zwischen uns und den vorbeifahrenden Autos. Dafür bekamen wir einige Male einen Applaus aus dem Fenster oder ein begeistertes „well done“, was uns jedes Mal freute und wieder etwas anspornte.


Als auf der rechten Seite ein großer Parkplatz in Sicht kam, dachten wir schon, wir hätten es geschafft. Als wir ihn jedoch erreichten, sahen wir hinter der Kurve einen weiteren steilen Anstieg und die Enttäuschung war groß.


Wir nahmen nochmal all unsere Kräfte zusammen und brachten auch diesen Anstieg noch hinter uns. Glücklich und erleichtert standen wir dann endlich vor dem gelben Schild, auf dem ‚Crown Range Summit‘ stand. Die Aussicht auf die umliegenden Gipfel war umwerfend.





Nach einer kurzen Pause kam dann die Abfahrt auf der anderen Seite der Range. Und so anstrengend der Weg nach oben war, so viel Spaß machte dann die Fahrt nach unten!



Unten angekommen, steuerten wir gleich das Hotel an. Und es war wirklich richtig schön mit tollem Biergarten. Es wurde vor 155 Jahren zur Goldgräberzeit gebaut und schickte uns beim Betreten sofort auf eine Zeitreise.




Als wir auf der Speisekarte Frickles (-> Fried Pickles, also frittierte Essiggurken) lasen, konnten wir nicht widerstehen. Die mussten wir probieren!



Danach lagen noch weitere 24 Kilometer vor uns. Da es aber immer noch leicht bergab ging, waren die auch schnell geschafft.


Wanaka


Der Campingplatz in Wanaka gefiel uns. Es gab für Zelte mal keine nummerierten Parzellen, sondern eine schöne Zeltwiese mit einer großen Trauerweide in der Mitte.




In der Küche trafen wir dann Lea wieder. Wir haben sie mit den anderen deutschen Bikepackern in Clyde kennengelernt. Sie blieb den nächsten Tag ebenfalls hier am Campingplatz.


Dann machten wir uns ans Abendessen. Da es schon spät war und wir keine Lust mehr zum kochen hatten, gab es eine wieder mal viel zu teure Brotzeit. Die Lebensmittelpreise hier sind leider echt nichts für kleine Budgets.



Am nächsten Tag wollten wir uns Wanaka ansehen. Wir fuhren ein bisschen am Ufer entlang, statteten dem legendären Wanaka Tree einen Besuch ab und lagen den Nachmittag über dann faul am See-Strand ;)