Laugavegur (Island)
- Miri

- 20. Jan.
- 17 Min. Lesezeit
Island stand schon ganz lange auf der Liste der Länder, die wir unbedingt sehen wollen. Im Juli 2024 hat es endlich geklappt. Und natürlich wollten wir dort auch unbedingt zu Fuß ins Hochland :) Dafür haben wir uns den Laugavegur ausgesucht. Landschaftlich hat uns diese kurze Trekkingtour sofort überzeugt. Dass das nicht nur auf uns zutrifft, sondern auf noch ganz viele andere Wanderer, müssen wir wohl in Kauf nehmen ;)
Weil wir auch noch von der restlichen Insel so viel es geht sehen wollten in unseren 18 Tagen auf Island, haben wir uns für nach der Trekkingtour ein Mietauto gebucht und wollten damit noch ein bisschen die Ringstraße erkunden.
Einen Tag vor unserem Reisestart wurde unser Plan dann aber durch einen richtig blöden Unfall mit mehreren Verbrennungswunden an meinen Beinen und meiner rechten Hand komplett über den Haufen geworfen. Damit war die Trekkingtour eigentlich erst mal raus... So einfach akzeptieren wollten wir das aber nicht und so buchten wir in einem ziemlichen Act unsere vorgebuchte Unterkunft, die Highland Busse und unser Mietauto um, so dass wir zuerst mit der Ringstraße starten und die Trekkingtour dann am Schluss unserer Reise antreten konnten. Die jeweiligen Anbieter waren alle super hilfsbereit und am Schluss hat es nach einigen Schwierigkeiten tatsächlich ohne Mehrkosten geklappt! So hatten die Wunden ein bisschen Zeit zu heilen, damit der Verbandswechsel auf Tour dann nicht mehr ganz so aufwendig sein würde (hofften wir zumindest😬).
Und unser Plan ging auf! Nach unserem Roadtrip hatten wir noch einen Tag in Reykjavik um alles, was wir auf Tour brauchen werden, von unseren Koffern in unsere Trekkingrucksäcke umzupacken. Irgendwie endete das ziemlich schnell im Packchaos. Trekkingessen, Wanderkleidung und Ausrüstungsgegenstände lagen im kompletten Hostelzimmer verteilt, als wären unsere Rucksäcke explodiert :D

Irgendwie fand dann aber doch jedes Teil seinen Platz im Rucksack und mit riesengroßer Vorfreude lagen wir abends im Bett. Nachdem unsere Trekkingtour durch den Rondane Nationalpark in Norwegen letztes Jahr nach nur 3 Tagen abrupt endete, weil wir die restliche Zeit dann mit Fieber und Grippe in einer Hütte verbrachten, ist das die erste Tour seit unserer Norge på langs Tour. Wir konnten es gar nicht erwarten, endlich wieder mit Rucksack und Zelt unterwegs zu sein!! :)
Tag 1: Landmannalaugar - Hrafntinnusker
Um 5:30 Uhr klingelte unser Wecker. Wir zogen unsere Wandersachen an, bereiteten uns noch Sandwiches für die 4,5-stündige Busfahrt vor und füllten in der Gemeinschaftsküche noch unsere Wasserflaschen auf.
Wie immer ein bisschen zu knapp verließen wir unser Hostel und eilten mit schnellen Schritten Richtung BSÍ Busterminal wo unser Highland Bus startete. Da es heute morgen doch ziemlich chaotisch war am Schluss, gingen wir auf dem Weg nochmal durch ob wir wirklich alles eingepackt hatten. Als ich nach den Wasserflaschen fragte, sah Flo mich entgeistert an. Irgendwie hatte jeder von uns angenommen, der andere hätte die Flaschen eingepackt. Doch sie standen wohl immer noch neben dem Spülbecken in der Hostel-Küche. Das hatte jetzt gerade noch gefehlt, wo wir eh schon so spät dran waren…
Trotz diesen extra Metern schafften wir es gerade noch rechtzeitig zum Busbahnhof. Wir luden unsere Trekkingrucksäcke schnell ins Gepäckfach und ließen uns dann erleichtert und etwas außer Atem auf die Sitze fallen. Unser Bus war einer von drei!! Bussen voll mit Wanderern, die alle auf den Laugavegur wollen.. Das kann ja was werden :D
Um 7 Uhr fuhren wir los Richtung Hochland. Schon die Anfahrt war landschaftlich super beeindruckend! Wir fuhren über eine Hochland-Piste aus schwarzem Lavasand, um uns herum reihten sich schwarze mit leuchtend grünem Moos bewachsene Berge aneinander. Für diese Aussicht wurden wir aber ordentlich durchgerüttelt. Die Fahrbahn bestand hauptsächlich aus Wellblech und gute Dämpfer hatte der Bus definitiv nicht :D
Gegen 11 Uhr kamen wir dann in Landmannalaugar an. Im Camp gab es ein großes Aufenthaltszelt. Dort drinnen saßen wir den gerade aufziehenden Regenschauer noch kurz aus und aßen unsere Sandwiches. Eine dreiviertel Stunde später ging es dann endlich auf den Trail.



Zum Glück hatte der Regen wieder aufgehört, aber ziemlich kalt war es mit nur 5° C immer noch. Deshalb hatten wir direkt alle Schichten Kleidung an, die wir dabei hatten. Auch gut, so mussten wir sie nicht auf dem Rücken tragen.
Zuerst ging es direkt hinterm Camp den Berg hoch. Wir stiegen immer höher und hatten nochmal kurz eine tolle Aussicht auf das Camp von oben.

Nach diesem Anstieg befanden wir uns bald mitten in der beeindruckenden Rhyolith-Bergwelt. Diese ocker-, orange- und terracottafarbenen Berge gaben ein unglaubliches Bild ab. Dazwischen lagen noch vereinzelte kleine Schneefelder. Und an manchen Stellen gaben Moosflächen sogar noch leuchtend grüne Farbakzente dazu. Wie dieses Grün so leuchten konnte, obwohl gar keine Sonne schien, war uns immer wieder ein Rätsel. Dazwischen lag ein tiefschwarzes Lavafeld. Es war wirklich ein beeindruckendes Farbspiel, das sich uns bot.
Immer wieder stieg Schwefeldampf zwischen den Bergen auf. Das machte die Szene noch dramatischer und uns oft einfach sprachlos. Hin und wieder durchzogen große Furchen die Bergwelt. Diese Landschaft ist wirklich einzigartig und schwer in Worte zu fassen. Wenn man diese Landschaft so vor sich sieht, fällt es nicht schwer zu spüren, dass Island geologoisch zu den jüngsten Regionen unserer Erde zählt und durch die vulkanischen Aktivitäten quasi gerade immer noch im Entstehen ist.





Wir stiegen noch weiter auf und wanderten ein paar Bergrücken mit phänomenaler Aussicht entlang.

Je höher wir kamen, desto stärker wurde der eiskalte Wind. Hier oben gab es nichts, was den Wind irgendwie bremsen würde. Keine Sträucher oder Felsvorsprünge, nur endlose karge Steinwüste. Wir hörten ein paar Tagestouristen mit ihrem Guide reden: „Eine Trekkingtour in diesem Gebiet ist bestimmt auch sehr schön“. Darauf die trockene Antwort des Guides: „Jaja solange das Wetter passt und der Regen nicht mit 50km/h waagrecht von vorne kommt...“ Wir schmunzelten über diese Antwort, sollten aber bald noch merken, wie recht er damit hatte...
Wir zogen uns die Kapuzen tief ins Gesicht, aber der Wind schaffte es trotzdem durch alle kleinen Ritzen unserer Kleidung und kühlte uns ziemlich schnell aus. Stellenweise war er so stark, dass wir uns richtig dagegen lehnen konnten.
Aber trotz des eiskalten Wetters mussten wir immer wieder kurz stehen bleiben und diese bizarre Landschaft auf uns wirken lassen.
Wir überquerten ein paar Altschneefelder und erreichten dann wieder ein dampfendes Geothermalgebiet. Überall um uns herum entwich zischender weißer Dampf wie aus einer großen Nebelmaschine und der altbekannte Faule-Eier-Geruch begleitete uns wieder.


Wenn man den penetranten Geruch in Kauf nahm, konnte man sich in dem warmen Dampf sogar ein bisschen aufwärmen :D

Hier macht Island seinem Slogan „The Land of Fire and Ice“ wirklich alle Ehre: im Vordergrund große Schneefelder, dahinter die hohen schneebedeckten Berge und dazwischen überall aufsteigender heißer Wasserdampf. Weiter unten entdeckten wir sogar einen türkisfarbenen kleinen Thermalpool.



Ein Wegweiser zeigte uns, dass es ab hier nur noch 3 Kilometer zur Hütte sind. Die führten uns dann nochmal weiter nach oben. Über schwarzen Lavasand, loses Geröll und nochmal einige Altschneefelder stiegen wir bis zu unserem höchsten Punkt heute auf 1060m auf. Einiger dieser Steine hatten eine ziemlich interessante Oberfläche, sie sahen aus wie zersprungene schwarze Edelsteine.




Mit jeden Höhenmeter kühlte die Temperatur gefühlt noch weiter ab und als endlich die Hütte in Sicht kam, waren wir komplett durchgefroren und auch ziemlich k.o. Aufgrund der Kälte sind wir die Strecke heute ohne Pausen durchgelaufen. Und auch wenn es heute nur 11 Kilometer waren, merkten wir deutlich, dass unsere Körper die schweren Rucksäcke noch nicht gewöhnt waren.

Wir meldeten uns für den Zeltplatz an und beeilten uns mit dem Zeltaufbau, da es inzwischen zu tröpfeln begonnen hatte. Das war bei dem Wind aber gar nicht so einfach und wir mussten über uns selbst lachen - im Zelt aufbauen bei Wind waren wir definitiv schon mal besser :D
Damit die Zelte zumindest einen kleinen Windschutz hatten, gab es hier mehrere Steinkreise. Um die waren wir gerade echt froh!


Für die Camper gab es hier eine kleine Holzhütte, damit man wind- und wettergeschützt kochen konnte. Die füllte sich dann auch recht schnell und die vielen brennenden Gaskocher heizten die Hütte direkt ein bisschen auf. Wir kochten uns erstmal einen Kaffee für gleich und Tee für unsere Thermoskannen. Später gab’s dann noch ein Real Turmat. Der Geschmack versetzte uns direkt wieder zurück auf unsere NPL-Tour ;)


Da es immer noch regnete und draußen wirklich eiskalt war, verkrochen wir uns in unsere Schlafsäcke und beendeten den Abend heute früh.
Tag 2: Hrafntinnusker - Hvanngil
Die Nacht war eisig kalt und es hat ununterbrochen geregnet. Und auch heute morgen prasselte der Regen munter weiter auf unser Zelt. Dementsprechend hielt sich unsere Motivation, die warmen Schlafsäcke zu verlassen, ziemlich in Grenzen ;)
Unser Porridge gab’s deshalb heute noch im Bett. Irgendwann mussten wir aber raus in die Kälte, wenn wir heute noch weiter kommen wollten.. Also packten wir unsere sieben Sachen und das nasse Zelt wieder in die Rucksäcke und gingen bei 6° C los.
Der Wind war immer noch so stark wie gestern und so kam der Regen auch noch frontal von vorne. Wie war das noch mit dem waagerechten Regen? Da hatte der Guide gestern wohl doch Recht mit seiner Bemerkung - viel Spaß machte das so nicht :D



Die ersten Kilometer hingen zudem einige dicke Wolken in den Bergen fest, so dass sich die Weitsicht heute in Grenzen hielt.
Der Trail führte uns noch eine ganze Weile auf einer Höhe von etwa 1000m weiter. Immer wieder kreuzten tiefere Furchen unseren Weg, in die wir jedes Mal ab- und auf der anderen Seite wieder aufsteigen mussten. Unten erwartete uns meistens ein Altschneefeld oder ein kleiner Bach. So machten wir die meisten Höhenmeter heute durch dieses ständige Auf und Ab.



Inzwischen waren wir ziemlich durchnässt. So wie gestern der Wind durch jede Ritze unserer Kleidung gezogen ist, so nahm er heute den Regen mit hindurch.
Und auch unsere theoretisch wasserdichten Handschuhe hielten das Versprechen leider nicht lange und saugten sich bald immer mehr mit Wasser voll. Also wenn jemand einen Tipp für wirklich wasserdichte Handschuhe hat, gerne her damit ;)
Da es mit den nassen Handschuhen aber immer noch wärmer war als ohne, behielten wir sie trotzdem weiter an. Daran, wie nass unsere Rucksäcke wohl schon waren mit diesem waagrechten Regen, wollten wir gar nicht erst denken. Während wir so durch den Regen liefen, stellten wir uns vor, am Ende der heutigen Etappe würde es eine DNT-Hütte mit einem alten Jøtul-Ofen geben, der nur darauf wartete, von uns eingeheizt zu werden… Doch leider würde heute nur unser nasses Zelt auf uns warten.

Aber trotz des grauen Wetters oder vielleicht gerade deswegen wirkte die Landschaft heute sehr dramatisch. Die vielen Schneefelder zwischen den braunen Bergrücken, der schwarze Lavasand und die vereinzelten giftgrünen Moosflächen dazwischen wirkten einfach so surreal, als wären wir auf einem anderen Planeten.


Leider machte es uns das Wetter wirklich schwer, auch mal kurz stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen. Schon ein paar Minuten ohne Bewegung ließen uns ziemlich auskühlen. Teilweise waren die Windböen so stark, dass wir Mühe hatten uns auf dem schmalen Wanderweg zu halten. Deswegen fiel auch heute die Pause wieder aus und wir beeilten uns stattdessen, die Kilometer bis zur nächsten Hütte durchzuziehen.
Als wir das Ende der Hochebene erreichten und wir vor uns den Abstieg erkennen konnten, mussten wir aber dennoch kurz innehalten. Die Aussicht verschlug uns wieder einmal die Sprache: Vor uns lag ein zerklüftetes Tal, das in den unterschiedlichsten Grüntönen leuchtete. Im Hintergrund erhoben sich ebenso grüne und zerklüftete Berge und dazwischen lag ein großer See. Ganz unten im Tal schlängelte sich der Gletscherfluss entlang, den wir heute noch furten müssen.


Wieder einmal waren wir einfach nur unendlich dankbar und glücklich, diese unglaublichen wilden, unsprüngliichen Landschaften unserer Erde so erleben zu können! Diese Aussicht war so atemberaubend schön, dass wir für einen kurzen Moment vergaßen, dass uns eigentlich eiskalt war und es immer noch in Strömen regnete.
Irgendwann fiel es uns dann aber doch wieder ein und wir machten uns an den Abstieg. Der war ziemlich steil und durch den Regen auch extrem rutschig. Als wir endlich das Tal erreicht hatten, wartete auch schon die erste Flussquerung auf dieser Wanderung.
Bei so einer Kälte sind Furten immer eine echte Überwindung. Aber es half nichts. Wir zogen die Schuhe aus, krempelten unsere Wander- und Regenhosen bis zu den Oberschenkeln hoch und schlüpften in unsere Neoprensocken.
An einem quer über den Fluss gespannten Seil hangelten wir uns zum gegenüberliegenden Ufer. Das Wasser reichte uns bis zu den Oberschenkeln und zerrte durch die starke Strömung kräftig an unseren Beinen.
Drüben angekommen, mussten wir wieder in die nasskalten Wanderstiefel steigen, was auch nicht so viel angenehmer war :D
Drei Kilometer waren es jetzt noch bis zur Hütte. Wir hatten gelesen, dass es dort ein kleines "Restaurtant" geben soll. Aber bei unserem Glück, was sowas angeht, wollten wir lieber nicht darauf vertrauen, dass es wirklich so war, geschweige denn auch noch geöffnet hatte. Umso mehr strahlten wir unter unseren Regenkapuzen hervor, als der Hüttenwart dies bestätigte. Gut, die Bezeichnung "Restaurant" war vielleicht etwas übertrieben... Viel eher war es nur ein kleiner Raum mit ein paar Tischen, einer kleinen Theke und - das wichtigste für uns in dem Moment - einer kleinen Gasheizung neben der Tür. Jetzt zur Mittagszeit gab es entweder eine Blumenkohlsuppe oder 2 Scheiben ungetoastetes Toastbrot, die man sich selbst belegen konnte. Wir nahmen beides. Dass wir dafür gerade 30€ gezahlt haben, verdrängten wir ganz schnell wieder. In diesem Moment war es einfach das leckerste Essen der Welt!


Als wir da so saßen und langsam ein bisschen auftauten, merkten wir, wie sehr uns das raue Wetter heute geschlaucht hatte. Bis zur nächsten Hütte wären es noch 4 Kilometer. Wir überlegten, ob wir heute noch bis dahin laufen oder lieber hier schon unser Zelt aufschlagen sollen. Aber eigentlich ist es heute auch schon egal, nasser werden wir nicht mehr und dann haben wir dafür morgen einen entspannteren Tag.
Aber so recht aufraffen, diesen warmen Raum wieder zu verlassen, konnten wir uns auch nicht. So wurde es 15.00 Uhr bis wir schließlich wieder aufbrachen. Immerhin schafften wir es so, ein paar unserer Kleidungsstücke über dem Gasofen zu trocknen.
Draußen erwarteten uns immer noch Sturmböen und Regen. Naja, es sind ja nur 4 Kilometer. Und mit trockener Kleidung auf der Haut fühlte es sich gleich viel weniger kalt an :)
Etwa nach der Hälfte der Strecke wartete nochmal eine Furt auf uns. Die Strömung war weniger stark als bei der vorherigen und so war auch die schnell geschafft.

Gerade als wir uns wieder anzogen am anderen Ufer, hörte der Regen auf und es kam tatsächlich für 5 Minuten die Sonne durch die Wolkendecke. Diese paar Strahlen reichten aus um uns einen richtigen Energieschub zu verpassen!


Die Landschaft war immer noch unglaublich und das Wandern machte so ohne Regen gleich viel mehr Spaß ;)
Bald hatten wir die Hütte erreicht und mussten feststellen, dass die meisten Steinkreise schon durch einen Rucksack oder Trekkingstöcke "reserviert" waren. Wir fanden aber noch eine einigermaßen ebene Fläche und kämpften dann wieder gegen den Wind, der versuchte uns das Zelt beim Aufbauen davon zu blasen :D Etwas Gutes hatte der Wind aber auch: Er trocknete unser nasses Zelt innerhalb von ein paar Minuten!





Mit einer dampfenden Tüte Trekkingessen und einem heißen Kaffee in der Hand konnten wir uns dann im Zelt auch schnell wieder aufwärmen :)
Tag 3: Hvanngil - Emstrur
Wieder lag eine verregnete Nacht hinter uns. Als der Regen kurz eine Pause einlegte, bauten wir schnell unser Zelt ab und dann ging’s im dichten Nieselregen weiter südwärts. Auch heute legte das Wetter wieder einen Grauschleier über die Landschaft. Trotzdem war sie wieder ziemlich beeindruckend. Kurz nach der Hütte kamen wir an einem stärkeren Fluss vorbei, der in zwei kleinen Stufen weiter abwärts rauschte. Eine Brücke aus einer interessante Holzkonstruktion ersparte uns glücklicherweise nasse Füße.


Ein paar Kilometer weiter hatten wir dann nicht mehr so viel Glück - dieses Mal mussten wir ohne Brücke durch den Fluss. Natürlich nahm genau jetzt auch der Regen wieder zu.
Dass eine Flussquerung anstand, erkannte man das hier immer schon von weitem an den vielen bunten Regenhüllen und Outdoorjacken der Wanderer, die sich für die Furt umzogen. Vor solchen Querungen staute es sich immer ein bisschen. Danach verteilte es sich aber meist wieder gut, wenn jeder wieder in seinem eigenen Tempo weiter wandert. Bisher fanden wir das Wanderer-Aufkommen auf dem Trail viel weniger schlimm als erwartet. Die richtige Einsamkeit, die wir aus Norwegen kannten, fehlte uns trotzdem ein bisschen ;)


Der Fluss war nochmal um einiges kälter als die zwei gestern und ziemlich breit, so dass wir echt froh um unsere Neoprensocken waren.
Im Anschluss daran durquerten wir eine endlos weite Lava-Wüste. Diese extrem karge und rauhe Landschaft hatte etwas ganz spezielles. Bis auf ein paar wenige kleine Pflanzen, die wie grüne Pünktchen verteilt auf der schwarzen Asche wuchsen, gab es hier kein Zeichen von Leben. Soweit das Auge reichte nur schwarze Asche und Lavagestein. Das war schon ziemlich beeindruckend.




Wir waren ganz froh darum, dass der angekündigte Sturm heute bisher ausblieb, denn in dieser Sandwüste kann es bei starkem Wind zu sehr unangenehmen Sandstürmen kommen.
Insgesamt war das Wetter heute erträglicher - der Wind und damit auch der Regen kamen heute nämlich von hinten. So störte er gleich viel weniger ;)
Wir erreichten einen weiteren reißenden Gletscherfluss, diesmal wieder überbrückt. Wir blieben eine Weile auf der Brücke stehen und beobachteten die tosenden Wassermassen unter uns. Solche Flüsse strahlen einfach immer eine ungeheure Kraft aus.

Die Lavawüste hat inzwischen wieder etwas Farbe bekommen. Grüne Moosflächen überzogen die Landschaft und die hohen Berge im Hintergrund.



Das Laufen in dem lockeren Aschesand war zwar anstrengend, trotzdem kamen wir in der flachen Ebene gut voran. Ziemlich genau nach der Hälfte der Strecke entdeckten wir einen großen, total flachen Stein mitten in der Sandwüste. Der schrie ja förmlich nach einem Pausenplatz! Der Regen hatte inzwischen tatsächlich aufgehört und so legten wir zum ersten Mal auf diesem Trail eine kurze Mittagspause ein :)
Der Müsliriegel, den es heute gab, schmeckte einfach original nach frischem Plätzchenteig! Genau das richtige für so ein Wetter - da kann man ja fast mitten im Hochsommer schon in Weihnachtsstimmung kommen :D

Anschließend kam ein leichter Anstieg. Die Landschaft war weiterhin geprägt von endlosem Lavasand. Hinter jeder Kuppel, die in Sicht kam, vermuteten wir den Abstieg und das Ende der Aschewüste. Doch jedes Mal wieder zeigte sich nur weitere endlose karge Wüste. Wir zweifelten schon an unserer GPX-Route als 500m vor unserem heutigen Ziel immer noch weit und breit keine Hütte in Sicht war.

Doch tatsächlich ging es hinter einer weiteren Kuppel plötzlich steil nach unten und hinter der nächsten Kurve lag plötzlich die kleine Hüttensiedlung vor uns. Die Aussicht auf das unter uns liegende Tal war wieder gigantisch!


Wir stiegen noch ein paar weitere Höhenmeter ab und fanden heute direkt einen schönen freien Steinkreis für unser Zelt. Die Hütte und die dazugehörigen Zeltplätze waren unglaublich schön gelegen inmitten dieser bizarren Landschaft aus Pagalithbergen. Hier lohnt es sich aber auf jeden Fall, früh anzukommen, da nur wenige Zeltplätze in Hüttennähe liegen und man für die anderen noch ein ganzes Stück weiter absteigen (und dann zu den Toiletten jedes Mal wieder aufsteigen) muss.
Wir holten das triefend nasse Zelt aus seinem Packsack. Beim Aufbauen kam dann doch tatsächlich die Sonne kurz raus. Das nutzten wir gleich aus und legten alle unsere nassen Sachen auf die Steine zum trocknen. Zusammen mit dem Wind war alles inklusive Zelt super schnell wieder trocken.



Wir blieben nicht lange alleine und immer mehr Zelte bildeten bunte Farbtupfer in dieser surrealen schwarz-grünen Landschaft um uns herum:

Da es erst 14.30 Uhr war, kochten wir uns erstmal Kaffee und gönnten uns vom Hüttenkiosk dazu noch eine Packung Kekse ;) So schön konnte es doch sein, wenn das Wetter mitspielte...


Doch nur eine halbe Stunde später fing es wieder an zu regnen. Aber das war egal, die eine Stunde Sonne hatte unsere Laune wieder um 100% steigen lassen ;)
Wir verzogen uns ins Zelt und dösten ein bisschen auf unseren Isomatten. Der Regen prasselte auf die Zeltplane und irgendwie waren wir gerade einfach richtig glücklich, hier zu sein. Nach unseren monatelangen Touren 2022/23 fühlt sich unser Zelt einfach nach Zuhause an. Und auch wenn das Wetter manchmal ungemütlich ist.. mitten in so einer beeindruckenden und endlos weiten Landschaft zu sein, fühlt sich für uns nach purer Freiheit an! Wie gerne würden wir die Tour noch um ein paar Tage (oder Wochen :D) verlängern, aber leider ruft schon nächste Woche der Alltag wieder. Deshalb nahmen wir uns vor, trotz fehlendem Wetterglück, die letzten Tage auf Island noch so viel es geht zu genießen :)
Der Regen hat sich wieder in einen richtigen Schauer verwandelt und es schien nicht, als würde es demnächst wieder aufhören. Also gab’s unser Abendessen auch heute wieder im Zelt. Wenn man dem Wetterbericht am Fenster der Hütte glauben konnte, besteht morgen früh zumindest die Chance auf etwas Sonne und es sollte den ganzen Tag trocken bleiben! Mit diesem Lichtblick gingen wir schlafen.

Tag 4: Emstrur - Þórsmörk
Der Regen hielt scheinbar nicht so viel vom Wetterbericht und so wanderte auch heute das Zelt wieder nass in den Rucksack. Und auch die Wolkendecke war nicht bereit, die Sonne durchzulassen. Von der Hütte aus stiegen wir durch die Lavawüste bergab in ein grün-schwarzes, von Canyons durchzogenes Tal. Auch, wenn die Berggipfel nicht sichtbar waren, weil die Wolkenwand sie abschnitt, war die Landschaft wieder einmalig! Schon die Aussicht von oben war gigantisch!




Unten angekommen, mussten wir ein paar dieser Schluchten durchqueren. Bis auf die zusätzlichen Höhenmeter war das aber kein Problem, weil es meist nur kleinere Bäche waren, die man schnell über ein paar Steine im Wasser überqueren konnte. Nur durch einen Canyon floss ein größere Fluss mit starker Strömung, über den es allerdings eine Brücke gab. Der anschließende Aufstieg aus der Schlucht war recht steil und mit Ketten gesichert. Bei guter Sicht waren die aber gar nicht nötig.




Oben angekommen hatten wir eine tolle Aussicht auf den Entujöküll-Gletscher im Hintergrund.

Wir durchquerten dieses grüne hügelige Lavatal und mussten dabei auch ein paar kleinere Berge überwinden. Der Blick zurück war jedes Mal beeindruckend.

Heute war ziemlich viel los auf dem Trail. Ein paar große Wandergruppen, die mit einem Guide und nur mit kleinen Tagesrucksäcken unterwegs waren (ja es gibt hier tatsächlich auch einen Gepäcktransport) mischten sich unter die bekannten Gesichter der letzten Tage. Wo die plötzlich alle herkamen war uns ein Rätsel :D

Je näher wir dem Ende des Tals kamen, desto mehr nahm die Vegetation wieder zu. Unter die Moosflächen mischten sich Flechten und niedrige Sträucher und immer mehr Grün verdrängte das Schwarz. Wir passierten nochmal eine total verwinkelte kleine Schlucht und landeten dann wieder in einer steinigen Ebene mit großen Felsblöcken, von denen wir eine gleich als Pausenbank nutzten.






Aus dieser ging es dann nochmal bergab und die Sträucher um uns herum wurden immer höher. Auch ein paar vereinzelte Birken säumten nun unseren Weg.

Aber ein paar Höhenmeter wollten heute noch gesammelt werden und so ging es nochmal einen steilen Berg hinauf. Oben angekommen kam doch tatsächlich die Sonne raus und wir mussten nicht lange überlegen: Wir schmissen die Rucksäcke ins Gras, legten uns daneben und genossen einfach für einen kurzen Moment die Sonnenstrahlen in unserem Gesicht - wie gut das tat! Von hier oben hatten wir eine wunderschöne Aussicht auf das Tal unter uns.




Nach 15 Minuten war der Zauber allerdings schon wieder vorbei und die nächste dunkle Wolkenfront rollte mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu und sofort kühlte es wieder ordentlich ab. Also kam wieder eine Kleidungsschicht dazu.
Wir stiegen den Berg wieder hinab und hatten von oben schon den Gletscherfluss im Blick, den wir gleich überqueren mussten. Wir hatten im Wanderführer schon gelesen, dass das der Fluss mit der stärksten Strömung war und der andauernde Regen machte es mit Sicherheit nicht besser. Von oben sah er allerdings gar nicht so wild aus. Wir waren gespannt, was uns unten erwarten würde.

Am Ufer angekommen, wechselten wir von den Wanderstiefeln wieder auf unsere Wasserschuhe und befestigten die Stiefel am Rucksack.

Gerade als wir die Furt begannen, hat uns die Regenwolke eingeholt und öffnete ihre Schleusen. Da es so mitten im Fluss ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt war, um Regenkleidung überzuziehen, wurden wir nicht nur von unten nass, sondern auch gleich noch von oben…
Die Furt hatte es tatsächlich in sich. Das Wasser reichte in der Mitte des Flusses bis zu den Oberschenkeln und die Strömung war wirklich stark, so dass wir bei jedem Schritt zu kämpfen hatten, den Fuß wieder am Grund aufzusetzen. Das Wasser floss so schnell an uns vorbei, dass einem direkt schwindelig wurde, wenn man nicht ans andere Ufer schaute, sondern kurz einen Blick in den Fluss warf.

Auf der anderen Seite beeilten wir uns endlich die Regenkleidung überzuwerfen. Dann ging es durch einen Birkenwald nochmal bergauf. Inzwischen schüttete es was das Zeug hielt. Musste das denn jetzt am Ende wirklich nochmal sein?

Dafür dass der Tag so „gut“ angesagt war, hatten wir echt oft auf die Regenkleidung wechseln müssen... Um unsere Laune wieder aufzubauen, malten wir uns aus, was es wohl im Hüttenrestaurant in Þórsmörk Leckeres geben könnte ;)
Drei Kilometer später erreichten wir dann triefend nass die Volcano Huts in Þórsmörk und damit den Endpunkt des Laugavegur Trails. Wir hatten es geschafft! :)
Mit dem rauen Wetter war der Trail doch um einiges anspruchsvoller, als wir es erwartet hatten, aber auch landschaftlich hatte der Trail unsere Erwartungen weit übertroffen! Das ganze Gebiet - angefangen von den Geothermalgebieten um Landmannalaugar über die Lavawüsten in Emstrur bis hin zum Nationalpark bei Þórsmörk - war so unglaublich beeindruckend und abwechslungsreich und wirklich ein richtiges Juwel der isländischen Landschaft!
Wir bauten noch schnell unser Zelt auf und feierten dann unseren Tourabschluss erstmal mit 2 Viking-Bieren und einer Tüte Chips ;)

Wir beobachteten die neu eintreffenden Wanderer. Sie sahen alle noch fertiger aus als wir und hinterließen eine richtige Matschschleuse im Restaurant. Da hatten wir wohl gerade noch Glück gehabt. Der immer noch andauernde Starkregen schien das letzte Stück des Trails im Nu in ein ziemliches Schlammbad verwandelt zu haben...
Wir sprachen noch viel über unsere Erfahrungen der letzten Tage. Die Tour kam uns so viel länger vor, als die 4 Tage, die wir unterwegs waren - so viele Erinnerungen schwirrten in unseren Köpfen herum!
Dieser Trail ist es unserer Meinung nach trotz seiner großen Bekanntheit und dem dementsprechend hohen Wanderer-Aufkommen auf jeden Fall Wert, gewandert zu werden. Diese Natur ist einfach so einzigartig und das mit eigenen Augen zu sehen und diese raue, gewaltige Vulkanlandschaft selbst zu erleben, ist ein unbeschreiblich intensives Gefühl! Dankbar für diese vielen neuen Erinnerungen und dafür, dass es trotz der Umstände zu Beginn unseres Urlaubs mit der Trekkingtour geklappt hat und wir Island auch aus dieser Perspektive erleben durften, kuschelten wir uns am Abend in unsere Schlafsäcke.
Am nächsten Morgen ging es nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet gegen mittags mit dem Highland-Bus zurück nach Reykjavík. Die Rückfahrt war noch abenteuerlicher als die Hinfahrt und wir konnten es gar nicht glauben, durch welche tiefen und breiten Flüsse dieser große Bus einfach so durchfuhr... Beim Blick aus dem Fenster hätte man auch denken können, wir wären auf einem Schiff :D

Die letzten Tage bis zum Rückflug verbrachten wir noch mit ein bisschen Reykjavík-Sightseeing (..und damit, jede Gelegenheit zu nutzen, unser Kaloriendefizit der letzten Tage wieder aufzufüllen 😜). Den Food-Spam ersparen wir euch jetzt mal, aber ein paar Eindrücke dieser süßen kleinen Hauptstadt möchten wir euch noch mitgeben :)













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