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  • Miri

NZ - Etappe 4: Lewis Pass, Rainbow Trail, Great Taste Trail (Teil 1)

Diese Etappe fing für uns leider nicht so gut an. Die ganze Nacht über haben wir kaum geschlafen, da wir uns beide den Magen verdorben hatten. Sowas ist natürlich noch viel spaßiger, wenn das Sanitärgebäude komplett am anderen Ende des Campingplatzes steht und es die ganze Nacht wie aus Eimern schüttet…


Dann ging auch noch in der selben Nacht bei Flo’s Isomatte ständig die Luft aus und wir mussten am nächsten Morgen erst mal versuchen, in dem kleinen Waschbecken irgendwie das Loch zu finden. Zum Glück wurden wir fündig und konnten es flicken.



Dann haben wir uns noch mit einer anderen Radfahrerin verquatscht, so dass es Mittag war, bis wir vom Campingplatz los kamen. Es war extrem schwül und die Luftfeuchtigkeit lag weiterhin bei 100%. Wir konnten gar nicht so viel trinken wie wir schwitzten.


Die Landschaft war ziemlich eintönig und die Strecke zog sich. Wir fuhren vor allem durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete und kamen immer wieder an großen Kuhweiden vorbei.





Endlich erreichten wir den kleinen Ort Ikamatua. Er bestand eigentlich nur aus ein paar Bauernhöfen, einem winzigen Supermarkt und einem kleinen Hotel, bei dem man auch campen konnte. Wir hatten online schon gesehen, dass der Platz komplett ausgebucht war und hatten uns gewundert, was so viele Leute in diesen kleinen unscheinbaren Ort zog. Das erfuhren wir dann, als wir nach einem Zeltplatz fragten: Heute fand hier die jährliche Speed Shearing Competition statt. Sie erwähnten nur nebenbei, dass es etwas lauter werden könnte ... Das das eine ziemliche Untertreibung war, sollten wir dann später feststellen.


Es dauerte nicht lange, dann war unser Zelt von ungefähr 50 Autos eingeparkt. Ein großer doppelstockiger Lastwagen voll beladen mit Schafen fuhr auf das Gelände und kurz darauf ging der Contest dann los.




Ein Schaf nach dem anderen wurde mit laufender Stoppuhr geschert. Ein Moderator kommentierte das Geschehen über eine viel zu laute Lautsprecheranlage und das Publikum jubelte und feuerte die Teilnehmer lautstark an. Die Musik wurde immer lauter gedreht, je später es wurde und die Zuschauer hatten inzwischen so viel Bier intus, dass nur noch geschrien wurde. Die Regenschauer taten der Partystimmung auch keinen Abbruch. Wir fühlten uns in unserem kleinen Zelt mit den wummernden Bässen und den ganzen Betrunkenen als hätte man uns mitten auf ein Festivalgelände gestellt. So gerne wir Festivals mögen, heute wollten wir einfach nur schlafen. Doch weder Ohropax noch Kopfhörer mit Noise Cancelling kamen gegen die Lautstärke an. Wir konnten uns gar nicht vorstellen, wie es den Schafen gehen musste, die immer noch in dem Laster direkt neben der Bühne eingesperrt waren und dort auch noch die ganze Nacht über bleiben mussten. Um vier Uhr morgens endete das Spektakel dann endlich.


Am nächsten Morgen fühlten wir uns, als wären wir es gewesen, die gestern literweise Bier getrunken hatten. Wir waren komplett gerädert. Unseren Campingnachbarn im Wohnmobil ging es ähnlich, sie waren wohl ebenfalls ungeplant in diesen Contest geraten. Sie brachten uns zwei Tassen Kaffee vorbei und wir tauschten uns ein bisschen aus. Als wir aufbrechen wollten, gaben sie uns einen Zettel mit ihrer Telefonnummer mit. Sollten wir durch Blenheim kommen, sollten wir uns melden, dann würden wir ein weiches Bett und eine heiße Dusche bekommen. Wir waren gerührt. Wir kannten die beiden erst seit ein paar Minuten und sie luden uns gleich zu sich nach Hause ein. Solche Begegnungen machen das Reisen immer erst zu etwas Besonderem!


Unser Ziel für heute war die alte Bergbau- und Goldgräberstadt Reefton. Sie wird auch als ‚The Town of Light‘ bezeichnet, da sie die erste Stadt auf der kompletten südlichen Hemisphäre war, die 1888 eine elektrische Straßenbeleuchtung bekam. Zahlreiche Gebäude entlang des Broadway sind noch komplett im historischen Stil erhalten. Und auch eine alte Eisenbahnlock kann man sich ansehen.







Als wir gerade einen Kaffeestop im ,The Broadway Tearooms' machten, kamen uns drei bekannte Gesichter entgegen. Sie haben uns auch entdeckt und kamen zu uns rüber. Wir haben die deutsche Familie, die mit ihrem kleinen Sohn gerade auf Elternzeitreise ist, in Ranfurly kennen gelernt. Was für ein schöner Zufall, dass wir uns jetzt nochmal wieder getroffen haben.


Dann machten wir uns auf den Weg zu unserem Guesthouse für heute: The Old Nurses Home Guesthouse. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um ein altes Schwesternwohnheim aus 1949, das teilweise auch noch die alte Einrichtung enthält. Auch ein paar medizinische Gegenstände und eine Schwesternuniform aus der Zeit waren ausgestellt.



Nachdem es den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht durchgeregnet hatte, gab es am Morgen, als wir losfuhren, sogar ein kurzes trockenes Zeitfenster. Das hielt aber leider auch nur eine halbe Stunde an. Dann regnete es den restlichen Tag wieder durch. Immerhin war es heute normaler Regen und kein Starkregen mehr.


Es regnete jetzt schon seit 9 Tagen jeden Tag. Wir können uns gerade beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir das in Norwegen ganze 39 Tage ausgehalten haben…


Aber es gibt Hoffnung. Wenn der Wetterbericht stimmt, sollte es morgen besser werden.


Lewis Pass


Die Straße führte wieder hauptsächlich durch Wald. Aber hin und wieder gaben die Bäume den Blick auf einen schönen Fluss frei.





Überall lagen uns Horden von Sandflies auf der Lauer. Sobald wir nur kurz stehen blieben, gingen sie zum Angriff über. Gut, dass wir sowieso unsere Regenkleidung an hatten, da kamen sie wenigstens nicht durch.


Insgesamt 1200 Höhenmeter wollten heute überwunden werden. Den Großteil davon machte der Lewis Pass aus. Er schlängelte sich durch dicht bewaldete hohe Berge hindurch bis auf 907 Meter. Die Wolken hingen tief und umhüllten die Berge, was dem Bild etwas mystisches verpasste.







Etwa vier Kilometer später erreichten wir den Deer Valley DOC-Campsite. Direkt neben einem rauschenden Bach stellten wir unser Zelt auf. Da kamen direkt ein paar Norwegen-Gefühle hoch ;)



Aber sofort stürzten sich die Sandflies wieder auf uns. Kochen ging nur mit Kopfnetz und gegessen haben wir dann lieber im Zelt. Als würden sie nur darauf warten, dass wir wieder herauskamen, hingen sie dann zu hunderten an unserer Zeltplane.




Morgens füllten wir im Fluss noch unsere Wasserflaschen auf. Da unser Steripen leider auf tragische Weise zu Bruch ging, haben wir uns als Ersatz einen Wasserfilter gekauft.




Das Wetterbericht stimmte und es war heute zum ersten Mal wieder richtig schön. Wir freuten uns riesig darauf, mal wieder bei Sonnenschein unterwegs zu sein. Schon nach kurzer Zeit ließen wir den Wald hinter uns und zu beiden Seiten der Straße öffnete sich die Sicht auf eine atemberaubende Landschaft! Hügelige Gebirgsketten, türkisblaue Flüsse, wunderschöne Täler.








Die Strecke war ziemlich anstrengend mit vielen steilen Anstiegen. Auch der Verkehr war wieder mehr geworden, weil die Straße auch nach Christchurch führt. Aber die Ausblicke entschädigten uns jedes Mal.


Nach der Hälfte machten wir eine kurze Pause und genossen die Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Das tat soo gut! Und alles auch noch ohne Sandflies - ein perfekter Tag :)



Wir fuhren immer weiter am Waiau Uwha River entlang, bis wir dann links nach Hanmer Springs abbogen.




Wir holten uns im Supermarkt noch eine Kleinigkeit zu essen und checkten dann auf dem Campingplatz ein.


Am nächsten Tag wollten wir uns nach einem leckeren Frühstück im Café die Thermalbecken von Hanmer Springs ansehen. Es war noch ziemlich kühl morgens, so dass die 37-40°C warmen Becken richtig angenehm waren. Auch unsere verkaterten Muskeln freuten sich über die wohltuende Wärme.





Abends besorgten wir dann noch Proviant für die nächsten drei Tage, da es auf unserer geplanten Strecke ab hier keine Resupply-Möglichkeiten gab.


Rainbow Trail


Bevor es dann am nächsten Tag losging, unterhielten wir uns beim Frühstück noch mit einem Te Araroa-Wanderer, der gar nicht mehr aufhörte zu erzählen. Als er unsere Fahrräder sah, wurden wir wieder einmal darüber belehrt, dass unsere Ausrüstung nicht gut genug sei für so eine lange Tour. Er hätte sicherlich keine Mountainbike-Reifen aufgezogen, würde sicher nicht mit Rucksack fahren und andere Bikepacking-Taschen hätte er sich auch gekauft. Dass wir für alles unsere Gründe hatten und super zufrieden mit unserer Ausrüstung sind, wollte er gar nicht hören und erzählte stattdessen weiter von seinem eigenen Fahrrad… Solche Begegnungen hatten wir jetzt schon öfter. Erst gestern im Café hatten wir beobachtet, wie sich eine Gruppe Fahrradfahrer über unsere Räder und unsere Pedale lustig machte. Natürlich hätten wir viel mehr Geld für alles ausgeben können, dann wäre unsere Reise aber deutlich kürzer geworden und für uns stand im Vordergrund, einfach eine gute Zeit zu haben. Und das klappte bisher auch sehr gut mit Rädern, die keine tausende Euros gekostet haben :)


Der gleich nach Hanmer Springs beginnende steile Anstieg ließ uns den Ärger über die ungefragte Meinung dann aber schnell wieder vergessen.


In Serpentinen zog sich der Weg durch den Wald 600 Höhenmeter auf sieben Kilometer nach oben. Als wir die Bäume hinter uns ließen, konnten wir unter uns das Tal erkennen.





Auf dem weiteren Weg ging es dann nur noch leicht bergauf. Auf einer groben Gravelroad fuhren wir durch eine schöne Hochebene mit Bergen rund um uns herum. Leider war fast die gesamte Strecke von Wellblech-Rillen durchzogen, so dass wir ordentlich durchgerüttelt wurden.






Nach etwa 30 Kilometern kamen wir an der Fowlers Hut vorbei und wir beschlossen, dass es Zeit für unsere Mittagspause war. Ein paar holländische Te Araroa Wanderer waren bereits dort. Wir warfen einen Blick hinein, machten es uns dann aber doch lieber im Schatten vor der Hütte bequem. Was Gemütlichkeit angeht, kommen sie nicht annähernd an die norwegischen Wanderhütten heran. Außer einem Tisch mit Gästebuch und einem Kamin gab es nichts in der Hütte und es roch nach kaltem Rauch.






Danach fuhren wir weiter am Waiau Toa Clarence River entlang. Berge reihten sich zu beiden Seiten aneinander.





Was haben wir diese Bilder vermisst! So schön die Westküste mit ihrem dichten Regenwald und den einsamen rauen Stränden war, unsere Herzen schlagen einfach höher, wenn wir inmitten von schroffen hohen Bergen stehen! :) Und es war schön, mal wieder für ein paar Tage der Zivilisation zu entkommen. Auch Netz gab es auf der gesamten Strecke nicht.



Am Ufer des Lake Tennyson stellten wir unser Zelt auf. Entlang der Strecke gibt es ein paar Spots, wo das Campen erlaubt ist. Dieser See war einer davon. Und er hätte schöner nicht sein können!




Da es recht windig war, konnten wir sogar ohne Sandflies draußen vor dem Zelt essen und noch die letzten Sonnenstrahlen bei traumhafter Aussicht genießen.




Der nächste Tag fing dann gleich wieder mit einem steilen Anstieg hinauf zum Island Saddle an. Mit 1347 m wird das der höchste Punkt unserer Fahrrad-Tour werden! Der Wind pfiff uns ganz schön um die Ohren und durch die Höhe hatte es nur 5° C. So kalte Temperaturen waren wir inzwischen gar nicht mehr gewöhnt. Der anstrengende Anstieg ließ es aber gar nicht erst so weit kommen, dass wir froren.





Ein französischer Allrad-Truck hielt etwas später neben uns an und sie fragten uns, ob sie uns unser Gepäck mit zum nächsten Campspot nehmen sollen. Da wir noch nicht wussten, wie weit wir heute fahren werden, mussten wir leider dankend ablehnen.


Die Landschaft war gigantisch. Um uns herum lagen in alle Richtungen verschiedene Gebirgszüge.



Dann war es endlich geschafft und wir konnten uns auf eine rasante Abfahrt freuen.



Danach ging es in ständigem Auf und Ab durch die wunderschöne Landschaft. Immer wieder mussten kleinere Bäche gefurtet werden. Es machte super viel Spaß heute!







Wir kamen wieder an einer kleinen Hütte vorbei und warfen kurz einen Blick hinein - für eine Pause war es noch zu früh. Dieses Mal waren noch ein paar Stockbetten mit drin.




Nach einem weiteren steilen Anstieg tat sich ein schmales Tal vor uns auf, durch das der Wairau River hindurch floss. Wir fuhren bergab und folgten dem Fluss weiter nordwärts.




Nachdem wir noch zwei weitere Bäche überquert hatten, meldete sich der Hunger. Der kalte Wind machte es aber ziemlich ungemütlich und so fiel die Mittagspause heute kurz aus.




Danach folgten wir weiter dem Flusslauf, bis wir unseren Campspot am Coldwater Creek erreichten. Und scheinbar hatten wir damit den einzigen windstillen Platz in diesem Tal gefunden… Bald sahen wir nur noch eine Wolke aus herumschwirrenden schwarzen Punkten vor uns und wir flüchteten ins Zelt.



Spät abends klopfte es dann an unserem Zelt und als wir raus schauten, stand ein ziemlich verzweifelter Radfahrer mit einem luftleeren Schlauch vor uns. Er habe jetzt schon so viele Platten gehabt, dass er nichts mehr zum flicken hätte. Der Schlauch sah wirklich aus wie ein einziger Flickenteppich.


Leider war der Riss zu groß und wir bekamen ihn nicht dicht. Dass wir mit unseren Händen mehr mit Wedeln als mit irgendwas anderem beschäftigt waren, war auch nicht wirklich förderlich. Die Sandflies hier waren wirklich next level. Und wir dachten, schlimmer als an der Westküste wird es bestimmt nicht mehr…


Der Bikepacker wollte am nächsten Tag versuchen, mit einem der vorbeifahrenden Pickups raus zu fahren. Wir wünschten ihm viel Glück und versuchten dann schleunigst, die schwarze Wolke um uns herum los zu werden.


Zuerst fuhren wir noch weiter am Wairau River entlang durch eine felsige Schlucht.



Der Untergrund war heute nochmal um einiges gröber als die letzten beiden Tage. Große Steine und loses Geröll machten das Vorankommen schwierig. Spätestens jetzt waren wir wirklich froh um unsere Mountainbikereifen und unsere Federgabel.




Die zu querenden Flüsse waren breiter und tiefer, so dass wir die Fahrräder lieber hindurch schoben anstatt zu fahren. Das Wasser war eiskalt und unsere Füße auf der anderen Seite fast taub vor Kälte. Gut, dass die Sonne schien und wir sie immer schnell wieder aufwärmen konnten.



Später führte der Weg hauptsächlich durch Wald und nur hin und wieder gaben die Bäume einen Blick auf die inzwischen hinter uns liegenden Berge frei.




Nach 21 Kilometern Ruckelpiste erreichten wir wieder eine asphaltierte kleine Straße und machten dort schon Mittagspause.


Nach drei Tagen Couscous und Knäckebrot hatten wir Dauerhunger und verdrückten alles, was wir noch irgendwo in unseren Essenssäcken finden konnten.


Als wir dort gerade am Straßenrand hockten, fuhr ein Pickup vorbei, auf der Ladefläche erkannten wir ein bekanntes Fahrrad. Der Bikepacker vom Zeltplatz winkte uns glücklich zu.


Spätnachmittags kamen wir dann in St. Arnaud an. Wir freuten uns so auf den Supermarkt! Doch der war dann eher eine Tankstelle mit kleinem Laden. Es gab zwar das Nötigste, doch zu unglaublichen Preisen. So fiel die Entscheidung dann auf Pizza vom Hotel gegenüber :)


Der DOC-Campingplatz lag etwas weiter bergab am wunderschönen Lake Rotoiti im Nelson Lakes National Park.



Unten angekommen, wies uns ein Schild darauf hin, dass man einen Platz beim Visitor Center buchen muss. Bisher füllten wir auf den DOC-Campsites einen Zettel aus und legten das Geld dann in einen Umschlag. Das Visitor Center lag natürlich oben im Ort. Also fuhren wir den Berg wieder rauf, nur um dann zu erfahren, dass der Campingplatz voll sei.


Also fuhren wir zum nächsten DOC-Campsite zwei Kilometer weiter. Gerade als das Zelt aufgestellt war, fing es richtig an zu schütten. Doch schlimmer als der Regen waren die abertausenden Sandflies. Wir haben schon von einigen Wanderern gehört, das St. Arnaud, was das angeht, der schlimmste Ort in ganz Neuseeland sein soll. Und sie haben nicht übertrieben. Draußen kochen wäre hier also sowieso keine Option gewesen. Nur blöd, dass wir jetzt zwei Kilometer von unserer Pizza entfernt waren und es immer noch regnete... Aber die Lust auf Pizza gewann schließlich. Und etwas anderes hatten wir ehrlicherweise sowieso nicht mehr.



Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Norden nach Kohatu, von wo aus wir dann auf den Great Taste Trail einsteigen werden. Da uns die Sandflies immer noch terrorisierten, verzichteten wir aufs Frühstücksporridge kochen und holten uns im Supermarkt nur schnell zwei Blueberry Muffins und einen Cheese-Scone. Und noch eine Rolle Tape. Mein rechtes Handgelenk schmerzte seit der ruckeligen Rainbow Road ziemlich, so dass ich es kaum belasten konnte.


Die Strecke nach Kohatu war ziemlich eintönig. Die einzigen Attraktionen waren ein paar Tiere entlang der Straße und das fire danger - Diagramm, das man in Neuseeland in regelmäßigen Abständen entlang der Straßen findet. Darauf wird täglich markiert, wie hoch die Waldbrandgefahr gerade ist.






Der Straßenbelag bremste uns wieder ziemlich. Auf der Südinsel war der Belag bisher meistens ziemlich grob und hatte dadurch einen hohen Rollwiderstand. Es ist kein feiner Teer, sondern eher mit Teer aneinander geklebte große Kieselsteine.



Great Taste Trail


Den Tag darauf ging es dann wieder auf einem Trail weiter - dem Great Taste Trail. Zuerst führte er offroad auf einem Kiesweg vorbei an unzähligen Hopfenfeldern.




Dann wechselte er auf eine Nebenstraße. Hin und wieder kamen wir an kleinen Selbstbedienungsständen vorbei. Es gab Eier, Beeren, Äpfel, Essige und Säfte. Wir nahmen uns eine Packung frisch gepflückter Blaubeeren für unsere Mittagspause mit. Die machten wir dann mit Blick auf einen schönen Fluss.







Der Campingplatz in Motueka war dann fast voll und wir bekamen einen ziemlich hässlichen Platz zwischen zwei Cabins zugeteilt. Als wir das Zelt aufbauten, knackte es plötzlich laut - eine Zeltstange war gebrochen. So ein Mist! Wir reparierten sie provisorisch mit einer Reparaturhülse und hofften, das würde erst mal halten. Als wir das Zelt dann einräumten, fiel uns ein seltsamer Geruch auf. Wir bemerkten, dass direkt neben unserem Zelt die offenen Abwasserrohre der Cabins in einen Gullideckel flossen. Der Gestank war unerträglich. Als um 21.00 Uhr immer noch ein paar andere Plätze frei waren, stellten wir unser Zelt deshalb kurzerhand nochmal um. Um kurz nach Mitternacht kam dann doch tatsächlich noch ein Camper, der wohl genau diesen Platz gebucht hatte. Obwohl daneben noch drei andere Plätze frei waren, hat er sich direkt nur einen Meter neben unser Zelt gestellt.


Wir entschuldigten uns am nächsten Morgen, packten schnell alles zusammen und verbrachten den restlichen Vormittag dann noch in der Küche. Es regnete und wir konnten uns noch nicht recht aufraffen, weiter zu fahren. Auf der Nordinsel wütete gerade der zweite heftige Zyklon innerhalb von ein paar Wochen und wieder hat es die Region schwer getroffen - Erdrutsche, zerstörte Häuser und Infrastruktur und sogar Todesopfer.


Es wurde sogar der nationale Notstand ausgerufen, was wie wir erfuhren, davor erst zwei Mal überhaupt der Fall war. Die zwei Male waren das Erdbeben 2012 und die Coronapandemie 2020.


Die Ausläufer dieses Unwetters sollten uns im Laufe des Tages auch noch erreichen und so buchten wir uns lieber eine Cabin für heute Abend.


Als der Regen fürs erste aufhörte, machten wir uns auf den Weg ins 13 Kilometer entfernte Kaiteriteri. In unserem Ort hatte es keine freie Unterkunft mehr gegeben für heute.


Der Weg führte uns an der Küste entlang und wir erhaschten immer wieder kurze Blicke auf den Ozean unter uns.





Zum Glück sind wir bis auf ein paar stärkere Windböen und etwas Regen von Zyklon Gabrielle verschont geblieben.


Der nächste Tag war dann sogar richtig schön! Die Sonne schien und wärmte die Luft wieder auf. Wir entschieden, heute mal einen Tag Strandurlaub zu machen :) Der Kaiteriteri Beach war mega schön mit den hohen bewachsenen Felsen am Rand und das Wasser unglaublich klar und hellblau.





Am Abend machten wir uns einen Nudelsalat und dazu gab's Gingerbeer und Mango-Limonade.



Als wir nach dem Essen dann im Zelt saßen, ruckelte es plötzlich ziemlich stark und bevor wir richtig begriffen, was los war, hörten wir von draußen schon die ersten Schreie: "It's an earthquake! It's an earthquake!"


Wir sahen zuerst uns an, dann nach draußen. Der komplette Campingplatz bewegte sich ruckartig von links nach rechts. Alles wackelte. Es fühlte sich so surreal an. Und obwohl der Spuk nur etwa 30 Sekunden dauerte, kamen uns die Erschütterungen ewig vor. Dann piepsten auch schon unsere Handys durch die Alarmmeldungen. Das Beben hatte eine Stärke von 6,1 und das Epizentrum lag vor der Küste im Meer zwischen Nord- und Südinsel. Man solle sich auf Nachbeben und mögliche Tsunami-Warnungen vorbereiten. In unseren Köpfen fing es an zu rattern. Was stand da gleich nochmal auf dem Zettel in der Küche? Wohin soll man bei einer Tsunami-Warnung gleich nochmal gehen? Wie lange steht man dann da oben auf dem Hügel? Was sollten man da am besten alles mitnehmen?


Während wir das alles überlegten und nebenbei schon unsere "Notfall-Rucksäcke" packten, kam unsere Campingplatznachbarin, eine ältere Dame, die wir vorhin beim Abendessen um ihren Wein beneidet hatten, rüber und fragte besorgt, ob das wirklich ein Erdbeben war oder ob sie nur zu viel Wein getrunken hatte.

Wir mussten lachen über diese absurde Frage und entspannten uns wieder etwas. Die Tsunami-Warnung blieb gottseidank aus und wir verbrachten den restlichen Abend damit zu begreifen, dass wir gerade wirklich ein Erdbeben miterlebt hatten...



Am nächsten Morgen regnete es. Und diese Etappe sollte ebenso nervig enden, wie sie angefangen hatte… Flo‘s Isomatte verlor schon wieder die ganze Nacht Luft und er musste sie mehrmals wieder aufblasen, nur um kurz darauf wieder auf dem Boden zu liegen. Wir hatten sie seit dem letzten Mal vor zwei Wochen nochmal drei Mal flicken müssen. Jetzt reichte es. Flo hatte